Simulierter Einbruch ins spanische Parlament
In Spanien sorgt ein über das Internet verbreitetes Video für große Aufregung, das angeblich zeigt, wie vier vermummte Aktivisten den Stuhl von Ministerpräsident Zapatero klauen.
- Florian Rötzer
Das am Samstag gestartete Blog Levántate ZP zeigt ein verwackeltes Video, in dem vier vermummte Personen in das spanische Parlament schleichen. Dort fordern die Personen, die sich die "4 gatos" (Kater) nennen, Ministerpräsident Zapatero (ZP) auf, sich zu erheben und, wie im Rahmen der Ziele des Millenniums-Gipfels der Vereinten Nationen versprochen, gegen die Armut vorzugehen. Außerdem zeigen die Bilder, dass die Vermummten den Stuhl des Ministerpräsidenten mitnehmen.
Nachdem sich das Video zunächst viral über andere Blogs und Webseiten verbreitet hatte, wurden auch die großen Medien darauf aufmerksam und gingen erst einmal in die Falle. Die Videos aus dem Inneren des Parlaments waren nämlich tatsächlich dort aufgenommen worden, aber es hatte kein Einbruch stattgefunden, und es wurde auch der Stuhl nicht geklaut.
In den Blogs wurden schon früh Hinweise auf Unstimmigkeiten diskutiert. Schließlich stellte sich heraus, dass das Video von der Werbeagentur Tiempo BBDO im Auftrag der NGO Levantate im Rahmen der UN-Millenniums-Kampagne gedreht wurde. Am 16. Oktober findet der Welttag zur Überwindung der Armut statt. Ein Mitarbeiter des Parlaments hatte aus Solidarität geholfen, sodass vorigen Donnerstag die Bilder aus dem Inneren des Parlaments aufgenommen werden konnten. Der Rest der Bilder wurde montiert.
Das virale Video hatte zwar groĂźen medialen Erfolg erzielt und wurde von vielen tausend Internetnutzern heruntergeladen, allerdings wird nun aufgrund einer Anzeige des Parlaments gegen dessen Mitarbeiter und die vier "gatos" wegen "schwerwiegender" strafbarer Handlungen ermittelt. Mitarbeiter der NGO bitten darum, von einer Bestrafung abzusehen. Der Zweck des Videos, das ganz klar als Montage zu erkennen sei, bestehe darin, auf die vielen Millionen Menschen hinzuweisen, die noch immer an Hunger sterben mĂĽssen. Die Vereinten Nationen selbst weisen jede Beteiligung an der Aktion "kategorisch" zurĂĽck.
Siehe auch in Telepolis: (fr)