Livedoor-Chef in Tokio verhaftet
Der japanische Internet-Unternehmer Takafumi Horie ist am heutigen Montag gemeinsam mit drei weiteren Managern wegen des Verdachts der Verbreitung falscher Finanzinformationen in Haft genommen worden.
Der einst als Bill Gates Japans gefeierte Internet-Unternehmer Takafumi Horie ist am heutigen Montag gemeinsam mit drei weiteren Managern seiner Firma Livedoor wegen des Verdachts der Verbreitung falscher Finanzinformationen in Haft genommen worden. Zuvor war Horie in Tokio mehrere Stunden von der Staatsanwaltschaft verhört worden. Gegen seine rasant gewachsene Internet-Firma wird unter anderem wegen Kursmanipulation im Zusammenhang mit einer Firmenübernahme sowie Bilanzfälschung ermittelt. Der Skandal hatte in der vergangenen Woche zu Panikverkäufen an der Tokioter Börse geführt, woraufhin erstmals in der Geschichte der Börse der gesamte Aktienhandel wegen drohenden Zusammenbruchs des Computersystems abgebrochen werden musste.
Laut japanischen Medien wurde außer Horie auch dessen Finanzchef Ryoji Miyauchi verhaftet. Für Ältere ist Horie der Inbegriff eines Casino-Kapitalismus, andere sehen ihn als einen Rebell gegen die überkommenen Konventionen der alten Japan AG. Das "enfant terrible" der japanischen Unternehmerschaft, das sich in der Öffentlichkeit lieber in T-Shirts als in Anzügen zeigt, hatte mit seinem provokanten Auftreten schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. So etwa mit seinen letztlich erfolglosen Versuchen, einen Baseballclub sowie den größten privaten Fernsehsender des Landes, Fuji TV, zu übernehmen oder – mit Unterstützung der Regierungspartei LDP – als Unabhängiger ins Parlament einzuziehen. Seit 2000 hat der Abbrecher der Elite-Universität Tokio rund 20 Unternehmen gekauft, die im vergangenen Jahr umgerechnet rund 563 Millionen Euro Umsatz erzielten.
Siehe dazu auch: (pmz)
- Livedoor: Ein kleines Internetportal erschüttert die Börse in Technology Review aktuell