DRAM-Preise: Es geht weiter bergab

Marktforscher erwarten, dass die Preise für PC-Hauptspeicher nach dem kürzlichen Aufschwung bald noch tiefer fallen - höhere Preise seien erst 2008 zu erwarten.

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Die Durststrecke der mit massiven Umsatzrückgängen kämpfenden Speicherchiphersteller ist noch nicht zu Ende: Die Marktforscher von iSuppli sind der Meinung, dass die Preise für DRAM-Chips nach dem kürzlichen Aufschwung um rund 10 Prozent im vierten Quartal wieder deutlich fallen werden. Nach wie vor gebe es riesige Lagerbestände, die es schwer machen, neue Chips zu verkaufen. Zusätzlich würde die aktuelle Knappheit von LC-Displays den Absatz von Komplett-PCs bremsen, weshalb die PC-Hersteller also auch weniger RAM bräuchten – anders als noch im Juli erwartet.

Die Webseite TheInquirer.net zitiert unterdessen eine Studie des britischen Analysten Malcolm Penn, der die Umstellung der DRAM-Fabs auf 300-Millimeter-Wafer für das aktuelle Überangebot und den damit einhergehenden Preisverfall verwantwortlich macht. Laut Penn liefert ein 300-mm-Wafer rund das 2,4-fache an funktionsfähigen Speicherchips wie ein 200-mm-Wafer (Good Dice Per Wafer, Good DPW). Überdies kostet die Produktion eines "rohen" Chips mit 59 Quadratmillimetern Fläche auf den größeren Siliziumscheiben rund 26 Prozent weniger (2,47 statt 3,35 US-Dollar), selbst wenn man eine höhere Defektdichte (0,25 statt 0,20), eine etwas geringere Ausbeute (Yield 86 statt 88 Prozent), die teureren Wafer (180 statt 60 US-Dollar) sowie die höheren Kosten für die Bearbeitung größerer Wafer (2090 statt 1230 US-Dollar) berücksichtigt. Laut Penn liefert ein 300-mm-Wafer 919 verwertbare 59-Quadratmillimeter-Dice, ein 200-mm-Wafer lediglich 385. In aktueller Fertigungstechnik lassen sich auf einem Die dieser Fläche 512 MBit DRAM oder grob geschätzt 1 GBit NAND-Flash-Speicher unterbringen – mehr als 2 US-Dollar pro 512-MBit-DRAM sind aber zurzeit kaum zu erzielen, und die erheblichen Kosten für das Testen und Einhäusen der Chips sind hier noch unberücksichtigt.

Laut Penn müssen DRAM-Fabs, um überhaupt konkurrenzfähig produzieren zu können, kontinuierlich mit voller Auslastung arbeiten. Der Ausstoß an Chips wächst also durch die Umstellung auf die größeren Siliziumscheiben und die gleichzeitige Strukturverkleinerung dramatisch. ISuppli schätzt, dass die Zahl der ausgelieferten Bits in diesem Jahr um rund 97 Prozent steigen wird – bei gleichzeitigem Umsatzschwund. Erst 2008 werden die Chipfirmen ihre Produktion so weit auf andere Produkte umgestellt haben, dass die DRAM-Kapazität nur noch um insgesamt 60 Prozent wächst. Durch die Drosselung des Angebots dürften die Preise dann wieder steigen.

Kürzlich noch hatte Samsung-Manager Chu Woo-Sik seine Erwartung geäußert, dass die DRAM-Preise deutlich anziehen würden. Anfang August hatte ein Stromausfall die Speicherchip-Produktion bei Samsung beeinträchtigt. (ciw)