ZDF will Investitionen in Digitalisierung deutlich erhöhen

In der Diskussion um konkurrierende Internetangebote der öffentlich-rechtlichen Sender einerseits und der Zeitungen andererseits betonte der Intendant, das ZDF sei im Gespräch mit den Zeitungsverlegern und nicht im Konflikt.

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  • dpa

Das ZDF will verstärkt in die Digitalisierung seines Programms investieren. Wie Intendant Markus Schächter anlässlich der Verabschiedung des Haushaltsplans 2008 im ZDF-Fernsehrat sagte, erfordere "die mit großen Schritten voranschreitende Digitalisierung eine deutliche Erhöhung der Investitionen in den nächsten Jahren". Mit dem konsequent umgesetzten Sparkurs der vergangenen Jahre werde zwar das Ziel erreicht, die über vier Jahre bis Ende 2008 laufende Gebührenperiode "mit einer schwarzen Null" abzuschließen. Dies habe jedoch auch zu einer Schwächung des Programmvorrates und zu einem Investitionsstau bei der Technik geführt.

In der Diskussion um konkurrierende Internetangebote der öffentlich-rechtlichen Sender einerseits und der Zeitungen andererseits betonte Schächter, das ZDF sei im Gespräch mit den Zeitungsverlegern und nicht im Konflikt. "Ich bin optimistisch, dass es mit einzelnen Verlegern eine Umsetzung der doch eher gemeinsam geprägten Interessen im zunehmend bewegtbild-geprägten Onlinebereich geben kann, und glaube, dass es möglich sein wird, im Laufe des Frühjahrs erste Kooperationen zu realisieren." Im Gespräch mit den Verlegern habe er deutlich gemacht, dass das ZDF keinerlei ökonomische Wettbewerbsziele verfolge.

Bei dem Treffen auf dem Mainzer Lerchenberg beschloss der ZDF- Fernsehrat außerdem einen sogenannten Drei-Stufen-Test zur Genehmigung neuer Digital- oder Telemedienangebote. Der Fernsehratsvorsitzende Ruprecht Polenz sagte nach der Sitzung, er gehe davon aus, "dass die ARD zu ähnlichen Verfahren kommen wird". Nach dem neuen Verfahren legt der Intendant künftig eine Projektbeschreibung vor, die auch Angaben zu den Kosten sowie eine Einschätzung zu den Auswirkungen auf den Markt enthalten muss. Die Beschreibung soll dann im eigenen Online-Angebot veröffentlicht werden, damit auch möglicherweise betroffene Marktteilnehmer Gelegenheit zu einer Stellungnahme bekommen. Hintergrund des Tests sind Vorgaben der EU-Kommission für die Rundfunkordnung, die in Deutschland als Gesetz im neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag erst ab 2009 verankert werden.

Schächter sagte in seiner Haushaltsrede zur wirtschaftlichen Lage, das ZDF werde nach den hervorragenden Jahresabschlüssen 2005 und 2006 den Haushaltsplan für 2008 mit einem Fehlbetrag von 79,9 Millionen Euro abschließen. Dies sei jedoch für das letzte Jahr einer Gebührenperiode nicht ungewöhnlich. Für das von Sportgroßereignissen geprägte kommende Jahr sei dies vielmehr ein sehr zufriedenstellendes Resultat. Die kommenden Olympischen Sommerspiele und die Fußball- Europameisterschaft riefen in Erinnerung, dass der internationale TV- Sport der Schlüssel zu den digitalen Geschäftsmodellen und "zum Einstieg neuer Player aus ganz anderen finanziellen Ligen" sei. Die Unregulierbarkeit internationaler Unternehmensriesen werde auf dem Medienmarkt zum drängenden Problem, sagte Schächter. (dpa) / (jk)