Internetcafes als Heimstatt japanischer Obdachloser

Das japanische Arbeitsministerium hat erstmals untersucht, wie viele Menschen in Internetcafes und anderen 24 Stunden geöffneten Betrieben die Nächte verbringen müssen.

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Von
  • Florian Rötzer

Immer mehr Menschen können sich vor allem in den teuren japanischen Großstädten die Mieten nicht mehr leisten und verbringen ihre Nächte in den Internetcafes, die 24 Stunden geöffnet haben. Das Phänomen der versteckten Obdachlosigkeit ist schon länger bekannt und hat in Japan Beunruhigung ausgelöst, jetzt hat das Gesundheits-, Arbeits- und Wohlfahrtsministerium erstmals mit einer Umfrage versucht, das Ausmaß zu erfassen. Befragt wurden Betreiber von 3.200 Internetcafes und einige der Internetcafe-Nomaden.

Täglich benutzen, so das Ergebnis der Umfrage, 60.900 Menschen Internetcafes, um dort zu übernachen. 7,8 Prozent oder 4.700 machen dies, weil sie keine feste Wohnung haben. Insgesamt schätzt das Ministerium die Zahl der neuen Obdachlosen auf 5.400. Ein Drittel ist zwischen 20 und 30 Jahre alt. Da sich die Arbeitssituation verschlechtert hat, die Löhne sinken und sich temporäre Arbeitsverhältnisse durchsetzen, befinden sich unter der steigenden Zahl der "Working Poor", die nicht von ihrem Verdienst leben und sich keine Unterkunft leisten können, immer mehr junge Menschen. Nur 1.300 sind nach Angaben des Ministeriums arbeitslos, 300 haben feste Jobs, 2.700 arbeiten in Teilzeit oder nichtregulären Jobs. Nicht nur Internetcafes dienen allerdings als Unterkunft, wie die Befragten sagen, sondern auch Saunas oder Fast-Food-Restaurants.

Siehe dazu auch in Telepolis:

(fr)