EarthLink macht bei städtischem WLAN einen Rückzieher
Der von finanziellen Problemen geplagte US-Provider will die Investitionen in städtische WLAN-Projekte deutlich zurückfahren. In San Francisco steigt das Unternehmen aus, auch in Houston sieht es nach Rückzug aus.
Die finanziellen Sorgen des US-Providers EarthLink gefährden die städtischen WLAN-Projekte in San Francisco und Houston. Am heutigen Donnerstag teilte das Unternehmen mit, sich auf bestimmten Geschäftsfeldern zurückzunehmen, darunter der Bereich für städtische Funknetze. EarthLink hatte zuvor angekündigt, nahezu die Hälfte seiner 1.900 Mitarbeiter zu entlassen. Auch der Chef der Sparte für städtische Netze wird das Unternehmen verlassen.
Das städtische WLAN in San Francisco, das Earthlink zusammen mit Google aufbauen sollte, war zuletzt unter anderem wegen der finanziellen Bedenken des Providers ins Stocken geraten. Jetzt sei Earthlink komplett aus dem Projekt ausgestiegen, teilte das Büro des Bürgermeisters laut US-Medienberichten mit. Earthlink könne seine Verpflichtungen aus dem Vertrag nicht einhalten, heißt es dazu. Der Provider sollte danach rund 17 Millionen US-Dollar in Aufbau und Betrieb des Netzes investieren, die über einen kostenpflichtigen, schnelleren Premiumzugang zu dem grundsätzlich freien Netz wieder eingenommen werden sollten.
Bei einem vergleichbaren Projekt in Houston (US-Bundesstaat Texas) hat Earthlink sich zur Zahlung einer Konventionalstrafe in Höhe von fünf Millionen US-Dollar an die Stadt bereit erklärt, weil der Provider die Frist für eine erste Vertragsunterzeichnung nicht einhalten könne. Earthlink hat jetzt neun Monate mehr Zeit, mit dem Bau des Netzes zu beginnen. In der Zwischenzeit kann sich die Stadt auch nach einem anderen Partner umsehen.
Der Provider kämpft mit dem harten Wettbewerb durch Telefon- und Kabelfernsehgesellschaften. Um die wachsenden Ausgaben und das wirtschaftliche Risiko zu begrenzen, will der neue CEO Rolla Huff nicht weiter nach dem bisherigen Modell in städtische Netze investieren. Davon sind weitere Projekte betroffen, die noch in der Planungsphase sind. Der bereits begonnene Ausbau der Netze in Philadelphia, Corpus Christi und Anaheim soll aber weitergehen. Weitere Angaben zu dem Stand einzelner Projekte machte das Unternehmen nicht.
Für den ehemaligen CEO Garry Barry waren freie und über Werbung oder Premiumzugänge finanzierte Funknetze der Weg, die schwindenden Einnahmen im leitungsbasierten Zugangsgeschäft mit neuen Erlösquellen zu kompensieren. Nachdem Barry im Januar dieses Jahres im Alter von 49 Jahren einem Krebsleiden erlag, leitete sein im Juni angetretener Nachfolger einen Strategiewechsel ein und setzt die Schere bei den Ausgaben an. Bis ein tragfähiges Geschäftsmodell für die städtischen Funknetze gefunden ist, will Huff sich in diesem Bereich künftig zurückhalten. (vbr)