Handelsgericht ordnet Schließung von Qentis an

Die Außenstände des ehemals größten europäischen eBay-Verkäufers sollen sich auf nahezu 10 Millionen Euro belaufen. Die Zahl der geschädigten Kunden ist offenbar höher als bislang angegeben.

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Das Wiener Handelsgericht hat die Schließung der Qentis Holding GmbH angeordnet. Die im Konkurs befindliche Qentis (Aktenzeichen 6 S 4/06i) war bis vor kurzem der größte europäische Händler bei eBay. Nach Einschätzung des Gerichts würde eine Weiterführung die Gläubiger zusätzlich schädigen. Der als Masseverwalter bestellte Wiener Rechtsanwalt Stephan Riel schätzt die Forderungen von Lieferanten, Finanzämtern und Banken nach ersten Erhebungen auf 9,7 Millionen Euro. Hinzu könnten Forderungen von "unter 2.000" Qentis-Kunden kommen, die bezahlt, aber keine Ware mehr erhalten haben. Der vormalige Qentis-Geschäftsführer Michael Marcovici hatte die Zahl der geschädigten Kunden zunächst mit rund 1000 angegeben.

Die bereits vergangene Woche erfolgte Einstufung des Konkurses als "geringfügig" bedeutet zwar theoretisch, dass eine Konkursmasse im Wert von nicht einmal 50.000 Euro erwartet wird. Allerdings ist dies laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) eine bei Konkurseröffnungen übliche Festlegung, solange nicht höhere Vermögenswerte sichergestellt sind. Bis dahin ermöglicht ein "geringfügiger Konkurs" ein einfacheres Konkursverfahren. Der AKV ist neben dem KSV ein "bevorrechteter Gläubigerschutzverband". Unter anderem vertreten die beiden Organisationen Gläubiger, die sich den Aufwand einer Teilnahme am Insolvenzverfahren nicht selbst antun möchten.

Wie der AKV informiert, besteht das Aktivvermögen der Qentis aus einem Warenlager mit einem Buchwert von zirka 1,5 Millionen Euro. Der Masseverwalter, der es in einem Stück verkaufen möchte, lässt derzeit den realen Wert von einem Gutachter schätzen. Daneben bestehen weitere Lager, die jedoch verpfändet sind. Bekannt sind auch kleinere Bankguthaben bei ausländischen Banken über etwa 37.000 Euro und ein Treuhanderlag bei einer Steuerberaterin in Höhe von 10.000 Euro. Mit 97.000 Euro ist die geleistete Einlage der Qentis Holding GmbH für Konkursverfahren relativ hoch.

Der Masseverwalter muss nun die Höhe der Außenstände feststellen, die Vermögenswerte sicherstellen, die Masse verwalten und verwerten und schließlich den Erlös auf die Gläubiger verteilen. Wer dabei berücksichtigt werden möchte, muss seine Forderung bis 16. März anmelden. Dafür fallen Gebühren in Höhe von 17 Euro je Forderung an. Da die ausbezahlten Quoten bei Konkursen meist deutlich unter 20 Prozent liegen, rentiert sich eine Anmeldung nur bei entsprechend hohen Forderungen. Gläubiger, die ihren Wohnsitz nicht in Österreich haben, müssen einen Zustellungsbevollmächtigten in dem Land namhaft machen. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung soll am 30. März stattfinden. (Daniel AJ Sokolov) / (pmz)