Hochgeschätzter Professional oder Malware-Promoter?

Erst bekam der Programmierer Cyril Paciullo die Auszeichnung "Most Valuable Professional" verliehen, dann erkannte Microsoft sie ihm wieder ab. Paciullos Messenger-Ergänzungen halten einige für Spyware, andere sehen darin ein legitimes Geschäftsmodell.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Jedes Jahr im Herbst verkündet Microsoft, wer mit dem Titel Most Valuable Professional geehrt wird. Die Auszeichnung, mit der bislang etwa 2600 Programmierer bedacht wurden, ist nun in die Kritik geraten. Die Debatte um den begehrten MVP-Status begann, nachdem Microsoft in der vergangenen Woche den kanadischen Programmierer Cyril Paciullo für seine Programme Messenger Plus und Messenger Plus Live zunächst ehrte, dann aber am Freitag die Auszeichnung wieder zurücknahm.

Der Grund: Paciullo, der der Programmier-Szene unter dem Spitznamen Patchou bekannt ist, liefert seine kostenlosen Messenger-Ergänzungen mit der Unterstützung von Sponsoren aus. Wer die Programme installiert, hat die Möglichkeit, auch die "Sponsoren" zu installieren. Damit gelangt indes die Adware Lop auf den Rechner, die von der Spyware-Spezialistin Sandi Hardmeier (MVP) im April dieses Jahres analysiert wurde.

Die Auszeichnung von Paciullo nahmen Sicherheitsspezialisten mit MVP-Status wie der in den Medien zitierte Chris Boyd zum Anlass, sich bei Microsoft ĂĽber die Entwertung des MVP-Titels zu beschweren. Auf diese Beschwerden reagierte Microsoft mit der RĂĽcknahme des Titels und einer Stellungnahme. Man habe Paciullo den Titel aberkennen mĂĽssen, nachdem der Zusammenhang zwischen seiner Software und einer Spyware bekannt geworden ist, heiĂźt es in einer Stellungnahme von Microsoft.

Während Paciullo betont, dass Anwender das Sponsor-Programm nicht zu installieren brauchen, halten Spezialisten dagegen, dass gerade unerfahrene Anwender das Sponsoren-Konzept nicht verstehen würden. Für diese Gruppe erfülle Lop alle Bedingungen von Malware oder Spyware, da es von unerfahrenen Anwendern nur schwer wieder entfernt werden könne.

Inzwischen hat sich eine Gruppe von Paciullo-Fans gebildet, die in verschiedenen Foren dafür werben, dass Microsoft die Aberkennung der Auszeichnung zurücknimmt. Ein Programmierer müsse frei entscheiden können, auf welchem Wege er Einnahmen für seine Software erzielen will, heißt es in einer Stellungnahme für Patchou. Fans wie Gegner von Patchou wundern sich indes gemeinsam, dass Microsoft offenbar sehr wenig über die doch sehr bekannten Messenger-Ergänzungen und ihre ökonomischen Grundlagen wusste und den MVP-Ehrentitel durch eigene Nachlässigkeiten schwer beschädigte. (pmz)