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Garmin: Live-Verkehrsinfos bald über DAB

Garmin nutzt neue Kanäle für die Übertragung von Verkehrsinformationen. Zukünftig sollen zeitnahe Infos aus sogenannten Live-Verkehrsdiensten über DAB ans Navi übertragen werden.

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Von
  • Achim Barczok

Garmin will bei den Übertragung von zeitnahen Verkerhrsinformationen umstellen: Künftig sollen diese bei Garmin "3D Traffic Live" genannten Infos statt über Mobilfunk wie in Garmins nülink-Serie über das Digitalradiosystem DAB auf Navigationsgeräte übertragen werden. Der Empfänger ist dabei im Ladekabel integriert, ein zusätzliches Mobilfunkmodul samt SIM-Karte entfällt.

Premiere soll das System in Großbritannien im November haben, wo Garmin mit dem Verkehrsdiensteanbieter Inrix zusammenarbeitet. Das zur IFA vorgestellte LKW-Navi dezl 760 LMT mit 7-Zoll-Display soll als erstes Gerät darauf umgestellt werden. Dieses kommt in Deutschland im vierten Quartal für 480 Euro auf den Markt. Es kann dann zwar noch keinen DAB-Verkehrsfunk empfangen, soll diese Funktion aber über ein Software-Update nachgereicht bekommen. Garmin erwartet den Start des Systems hierzulande im Frühjahr 2013. Stück für Stück sollen weitere neue Navis mit der Technik ausgestattet werden. Ob der Navi-Spezialist später auch eine Möglichkeit bereitstellt, bereits erhältliche Geräte dafür nachzurüsten, ist noch offen.

Das LKW-Navi Garmin dezl 760 LMT soll als erstes Produkt per DAB erweiterte Staumeldungen empfangen.

Bisher setzt Garmin wie auch Konkurrent TomTom für Navigationsgeräte mit Live-Diensten auf Mobilfunktechnik. Diese Geräte mit der Bezeichnung nülink (Garmin) oder Go Live (TomTom) können über Mobilfunk detailliertere und mehr Informationen zu Staus, Baustellen und andere Verkehrsbehinderungen schneller empfangen, als es über den Radiofunk (RDS) möglich wäre. Dieser wird bislang für das bei Navis übliche Verkehrsinfosystem TMC genutzt.

Der Flaschenhals lässt sich nun aber auch per DAB überwinden: Im Minutentakt soll das System dieselben Verkehrsinfos wie die Live-Dienste übermitteln. Der Vorteil gegenüber Mobilfunk: Der Betrieb kostet den Nutzer in der Regel nichts. Letztlich sei das Modell, zusätzliche Gebühren für die Live-Abos zu verlangen, von den Kunden ohnehin nicht akzeptiert worden, so ein Sprecher von Garmin.

Die Umstellung auf DAB ermöglicht nun höherwertige Verkehrsdienste ohne Mobilfunk, bringt aber auch Nachteile. Weil die Übertragung nur einseitig funktioniert, kann der Kunde nicht ohne weiteres wie bei Live-Diensten gezielte Abfragen machen und Garmin keine Bewegunsdaten des Nutzers zur Verbesserung seiner Dienste heranziehen. Außerdem ist die Abdeckung von DAB auf Fernstrecken noch lückenhaft. Bei fehlendem Signal sollen die DAB-Navis deshalb weiterhin auf TMC über RDS als Fallback-Möglichkeit zurückgreifen können.

In Großbritannien setzt Garmin bei DAB auf den Verkehrsinfodienst Inrix. Mit wem man hierzulande kooperieren werde, stehe noch nicht endgültig fest, hieß es auf der IFA. Für seine Verkehrs-Livedienste lizenziert Garmin in Deutschland bisher Verkehrsinfos von Nokia-Tochter Navteq. Diese komniniert dazu unter anderem die Infos herkömmlicher Staudienste mit denen aus Handy-Bewegungsdaten und in Autobahnen integrierten Induktionsschleifen. (acb)