Schöner einkaufen: Eat Shop Drink
Hier wird nicht einfach nur gekauft oder gegessen, sondern Konsum kunstvoll zelebriert: Die jüngste Ausgabe der Reihe Architecture Now! präsentiert Bilder außergewöhnlich gestalteter Shops, Bars und Restaurants.
- Robert Seetzen
Architecture Now! Eat Shop Drink
(Bild:Â Taschen Verlag)
Der Titel dieses Bildbands führt, sachlich korrekt wie er auch sein mag, in die Irre. Nüchtern betrachtet zeigt Eat Shop Drink zwar zweifellos Gaststätten, Einkaufszentren und Ladengeschäfte. Wer ein wenig im Buch geblättert hat, wird solch profane Begriffe allerdings kaum noch verwenden wollen.
Philip Jodidio, erfahrener Autor weithin beachteter Werke zur Architektur, zeigt in Eat Shop Drink eine klug zusammengestellte Auswahl interessanter, mitunter erstaunlicher Arbeiten von mehr als fünfzig Architekturbüros. Darunter finden sich auch einige Namen, die nicht nur Insidern bekannt sind, etwa der des Dänen Bjarke Ingels ("BIG"), des Filmemachers David Lynch oder des Briten David Chipperfield.
So international wie die Architekten sind auch die von Jodidio vorgestellten Plätze. Berlin etwa ist mit dem Restaurant Workalicious vertreten, Hongkong mit der Billardbar Tazmania Ballroom und Sao Paulo mit dem Modegeschäft Triton Store. Orte oder Nationen scheinen allerdings austauschbar, die meisten der in Eat Shop Drink gezeigten Räume und Gebäude könnten ebenso gut in jeweils entgegengesetzten Winkeln der Welt liegen.
Kulturpessimisten mag das als weiteres Indiz für einen Verlust von Identität und Vielfalt gelten. Andere werden eher sich über den bemerkenswerten Reichtum grenzüberschreitender, moderner Formensprache freuen. Die gezeigten Objekte kommen dabei übrigens keineswegs nur gefällig daher. Der harte Futurismus des von Atsusho Muroi und Hattori Kimitaro gestalteten Smartphone-Stores in Tokio zum Beispiel dürfte manche Menschen eher abschrecken als einladen. Eine wirklich starke, wenn vielleicht auch etwas gruselige Faszination darf man seinen strengen Formen aber keinesfalls absprechen.
Als krasser Kontrapunkt dazu bleibt beispielsweise die Lobby des portugiesischen Hotels L'And Wineyards im Gedächtnis haften. Im Spiel mit Stilelementen der frühen Sechziger entsteht hier eine gelungene Verbindung aus eigenständigen Designkonzepten und entspannter Gemütlichkeit. Auch der für eher Sperriges bekannte Filmemacher David Lynch hat offenbar keine Scheu vor schlichtem Wohlfühlfaktor. Das von ihm gestaltete Interieur des Pariser Clubs Silencio vermittelt, nicht zuletzt durch die warme Farbe reichlich eingesetzten Blattgolds, einige Geborgenheit. Was in Anbetracht ganz erstaunlich hoher Preise allerdings die Wenigsten jemals vor Ort begutachten werden.
Eat Shop Drink auf Bilder abgehobenen Luxus oder grenzwertigen Designs zu reduzieren, wäre indes völlig falsch. Die überwiegende Mehrzahl der gezeigten Plätze wirkt einladend und lockt mit zwar oft ungewohnter, vor allem aber interessanter Gestaltung. Zudem vermitteln die informativen Begleittexte einiges Hintergrundwissen und damit auch eine Grundlage für die bewusste Auseinandersetzung mit den erfrischend vielfältigen Designkonzepten.
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Architecture Now! Eat Shop Drink Philip Jodidio Taschen Verlag 416 Seiten, Texte englisch, französisch, deutsch 20 x 25 cm 29,99 Euro ISBN 978-3-8365-3440-6 |
(tho)