Biometrie-geprĂĽft in die Spielbank

Die Spielbank Bad Homburg setzt Gesichtserkennungssystem gegen SpielsĂĽchtige ein.

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Von
  • Richard Sietmann

In einer kürzlich ergangenen Entscheidung hat der Bundesgerichtshof Spielbanken zur Durchsetzung wirksamer Barrieren gegen Spielsüchtige verpflichtet – bei der Spielbank Bad Homburg hilft jetzt die biometrische Gesichtserkennung, gesperrte Personen vom Spielen abzuhalten. Das anonym arbeitende System erkennt Personen, deren Gesichtsbilder gespeichert sind, weil sie sich einer freiwilligen Selbstsperre unterzogen haben. Mit ihm kann das Aufsichtspersonal den betreffenden Personen das Spielen im Automatensaal der Spielbank ohne die ungeliebten Ausweiskontrollen untersagen.

Der Leitsatz-Entscheidung des BGH (Az. III ZR 65/05) zufolge kann eine auf Wunsch des Süchtigen erteilte Spielsperre Ansprüche auf den Ersatz von Spielverlusten begründen, wenn die Spielbank ihrer Schutzpflicht nicht nachkommt und die Sperre nicht mittels ausreichender Kontrollen wirksam umsetzt. In Bad Homburg nimmt deshalb das Zutrittskontrollsystem von jedem Gast, der den Automatensaal betritt, das Gesichtsbild auf und sucht in der Datenbank nach einer Übereinstimmung mit den gespeicherten Bildern der auf eigenen Wunsch gesperrten Personen. Wenn es am Einlass einen gesperrten Spieler erkennt, alarmiert es mittels WLAN den Saaldienst und übermittelt ihm dessen Gesichtsbild und weitere Informationen – nicht jedoch den Namen – auf den PDA, sodass die Angestellten den Betreffenden dezent vom Spielen abhalten und vor weiteren wirtschaftlichen Schäden bewahren können.

Nach Angaben des Herstellers, der Bosch Sicherheitssysteme GmbH, kommen die Videoüberwachungssysteme des Unternehmens in Verbindung mit der Gesichtserkennung bereits bei der Durchsetzung von Hausverboten in Kaufhäusern, Bahnhöfen, Flughäfen, Sportstadien und Firmengebäuden zum Einsatz. Ein ähnliches System wie in Bad Homburg wird auch im Casino Wiesbaden eingesetzt; es hält etwa einmal im Monat einen gesperrten Spieler von seiner ungezügelten Leidenschaft fern. (Richard Sietmann) / (jk)