Julian Assange scheitert mit Klage gegen Film
"Wikileaks: Secrets and Lies" ist nach Ansicht der britischen Medienaufsicht weder ehrverletztend noch einseitig oder unzulässig gekürzt; auch verletze der Film nicht die Privatsphäre des Wikileaks-Gründers.
Der Wikileaks-Gründer Julian Assange ist mit seiner Klage gegen einen Dokumentarfilm vor der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom in allen Punkten gescheitert. Nach Ansicht von Assange ist der Film Wikileaks: Secrets and Lies ehrverletztend, einseitig, unzulässig gekürzt und verletze überdies seine Privatsphäre. Das Ofcom wies die Klage in allen Punkten zurück.
In der sehr ausführlichen Urteilsbegründung (PDF-Datei, Seite 80-116) setzt sich die Ofcom mit allen Vorwürfen Assanges auseinander. Wiederholt wird betont, dass es zur künstlerischen Freiheit des Filmemachers gehört, nur Ausschnitte aus einem längeren Interview zu bringen, das mit Assange geführt worden war. Auch wird den Filmemachern bescheinigt, ausreichend die Standpunkte von Gegnern wie Befürwortern von Wikileaks zu Worte kommen zu lassen.
Die von Assange heftig bestrittene Eigen-Aussage, dass Informanten es verdienten zu sterben, wenn sie mit Klarnamen in Wikileaks-Dokumenten auftauchten, sei durch mehrere befragte Personen abgesichert worden. Der Dokumentarfilm, der Aufnahmen vom tanzenden Assange in einer isländischen Diskothek enthält, habe mit diesen Aufnahmen nicht die Privatsphäre des Wikileaks-Gründers gestört. Der eigentliche Filmer, der mit Zustimmung Assanges den raumgreifenden Tanzstil aufnahm, habe das Material an mehrere TV-Stationen verkauft und damit als Einspielmaterial legitimiert. Außerdem sei eine Diskothek kein wirklich privater Ort.
Auf die Niederlage in allen Punkten reagierte Wikileaks zunächst mit einer Stellungnahme, in der der Ofcom-Leiter Ed Richards persönlich als PR-Marionette der Regierung angegriffen wurde. Später veröffentlichte Wikileaks sämtliche Dokumente zur Klageschrift, unter ihnen ein Transcript des kompletten Interviews mit Assange, das nach Auffassung von Wikileaks "zensiert" worden sei.
Der Dokumentarfilm "Wikileaks: Geheimnisse und LĂĽgen" wurde am gestrigen Dienstag vom TV-Sender 3Sat ausgestrahlt. Unklar ist derzeit, ob er in der Mediathek zur VerfĂĽgung stehen oder von anderen TV-Anstalten ĂĽbernommen wird. In GroĂźbritannien wurde der Film vom Channel 4 ĂĽbertragen; auĂźerdem lief er auf dem bekannten Medienkunstfestival South by Southwest. Nach einem Bericht des Guardian soll Assange versucht haben, die Veranstalter des Festivals unter Druck zu setzen.
Julian Assange hält sich derzeit in der Botschaft von Ecuador in London auf. Er genießt dort politisches Asyl. Großbritannien will Assange nach drei gescheiterten Klagen gegen seine Auslieferung an Schweden ausliefern, wo eine Befragung und ein mögliches Verfahren wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung und Nötigung auf ihn wartet. Ecuador verlangt nach letzten Verhandlungen von Großbritannien wie Schweden Garantien, dass Assanges Menschenrechte beachtet werden und dieser nicht an die USA ausgeliefert wird. (jk)