Google beantragt Patent auf Bezahlen per Textnachrichten

Bei "Gpay" verschickt der Käufer eine SMS mit Bezahlinformationen an ein Abwicklungssystem. Der Empfänger wird über die Bezahlung informiert.

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Der Online-Konzern Google will sich beim US-amerikanischen Patent and Trademark Office das Bezahlen per Textnachrichten schützen lassen. Aus dem im Februar 2006 eingereichten und Ende voriger Woche veröffentlichten Patentantrag geht hervor, dass ein entsprechender Dienst "Gpay" oder "Gcash" heißen könnte. In dem Antrag wird ein System beschrieben, bei dem ein Kunde den Preis für eine Ware oder Dienstleistung bezahlt, indem er eine Textnachricht wie zum Beispiel eine SMS mit identifizierenden Informationen und der Geldsumme an ein Bezahlabwicklungssystem sendet. Dieses zieht das Geld von einem bei einer anderen Stelle geführten Guthaben ab oder erhöht eine Kreditsumme und informiert den Zahlenden sowie den Bezahlten.

Google stellt die Entwicklung hin zur Bezahlung via Textnachrichten in seinem Patentantrag als einen Teil der Entwicklung des Geldes als solches über Schecks, Kredit- und Debitkarten bis hin zu elektronischen Bezahlsystemen dar. Das von Google vorgestellte System eigne sich auch zur Bezahlung von kleineren Summen wie zum Beispiel auf Märkten, wo die Anbieter gewöhnlicherweise nur Bargeld entgegenehmen. Und auch jene, die beispielsweise auf der Straße Dienstleistungen anbieten, könnten mit mobilen, drahtlos mit dem Internet verbundenen Geräten überprüfen, ob ein Bezahlvorgang erfolgreich gewesen ist und mit ihren Diensten beginnen.

Eine Bezahltextnachricht könnte laut Patentantrag aus der Zeichenfolge gpay 8505551212 20 bestehen, die an einen Service wie "GOOGL (46645)" geschickt wird. Dabei stehe "Gpay" für ein Bezahlsystem, "8505551212" für die Mobilfunknummer des Gläubigers und "20" für die Geldsumme. Es sei denkbar, anstelle von Geld auf diese Weise auch "Punkte" oder andere Wertäquivalente zu transferieren. Für den Empfänger sei es oft nur notwendig, über den Eingang einer Zahlung informiert zu werden, alle anderen Informationen über den Zahlenden könnten ihm vorenthalten werden. Das System könne auch von Eltern dazu genutzt werden, die Einkaufsbummel und Vergnügungstouren ihrer Kinder zu kontrollieren. Wenn der Nachwuchs beispielsweise allein in ein Kino gehen wollte, müsse er erst über das System bei den Eltern um Einwilligung ersuchen. Nur wenn die Eltern einverstanden sind, sei das Kind in der Lage, mit einer Textnachricht die Eintrittskarte zu kaufen.

Google ist seit gut einem Jahr in Sachen Bezahlsystemen tätig und hat "Checkout" eingeführt, eine Konkurrenz beispielsweise zu eBays PayPal. Das Bezahlen per SMS wird seit einiger Zeit in Deutschland in Projekten erprobt und auch angewendet. Meistens geht es darum, Fahrkarten oder Parkgebühren zu bezahlen. "Gpay" könnte eine Ergänzung zu dem durch die Gerüchteküche wabernden "Google Phone" darstellen, zumal die Mobiltelefonhersteller in jüngster Zeit wegen schrumpfender Margen nach zusätzlichen Einnahmequellen suchen. (anw)