Dmexco: Wie kommt die Werbung auf den Smart-TV?
Ein Thema bereitet der Online-Werbebranche auf der Kölner Messe Kopfzerbrechen: Kannibalisieren sich die unterschiedlichen Werbeformen demnächst gegenseitig?
Die Online-Werbebranche freute sich auf der Kölner Messe dmexco über wachsende Umsätze, doch ein Thema bereitet den Werbern noch Kopfzerbrechen: Wie kommt die Werbung auf den Smart-TV und kannibalisieren sich die unterschiedlichen Werbeformen demnächst gegenseitig?
Optimistisch zeigte sich der Unterhaltungselektronik-Hersteller Loewe: "Wir werden immer große Displays im Wohnzimmer haben", erklärte Marketingleiter Henrik-Rutenbeck in Köln. In diesem Jahr allein werde die Branchen 5,7 Millionen internetfähige Geräte in Deutschland verkaufen. Dabei kritisierte er die stark gesunkenen Preise: "Wir müssen immer billiger werden -- das bekommt der Unterhaltungselektronik nicht gut."
Die Smart-TV-Hersteller suchen sich inzwischen neue Einnahmemöglichkeiten. So präsentierte der US-Anbieter Rovi in Köln seine Lösungen, um Werbung auf Smart-TV-Displays zu schalten. Der Anbieter kooperiert in Deutschland mit gleich drei Geräteherstellern: Samsung, Panasonic und Sony. Bei Geräten dieser Hersteller kann Rovi Werbung in den Menüs einblenden, vom simplen Werbebanner über Videoinhalte bis hin zu Reklame für bestimmte Angebote in den App-Stores der Hersteller. Doch die abgeschlossenen Plattformen lähmen die Entwicklung: Apps müssen für jeden Hersteller neu entwickelt werden.
Ein Werbefeld bleibt Rovi jedoch verschlossen. So haben deutsche Fernsehsender eine explizite Abneigung dagegen, Werbung anderer Anbieter auch nur in die Nähe ihrer Inhalte zu lassen. "In den USA und Großbritannien ist man da Jahre weiter", sagte Rovi-Manager Jeff Siegel im Gespräch mit heise online. Dort investierten TV-Sender regelmäßig in Werbung in EPGs. In Deutschland hingegen befürchteten die Sender durch solche Werbung der Konkurrenz eher Zuschauer zu verlieren. Deshalb müsse sich Rovi darauf beschränken, die Werbung in den Bereichen zu platzieren, die mit dem eigentlichen TV-Signal nichts zu tun haben. Auch Werbung die auf den TV-Konsum des Zuschauers angepasst ist, will das Unternehmen aus Datenschutzbedenken eher nicht anbieten.
Der Werbevermarkter der RTL-Gruppe IP Deutschland experiment derweil mit Anwendungen für HbbTV. Der Standard blendet programmbezogene Internetinhalte ein und liefert die Möglichkeit, Apps einzubinden. Allerdings entscheidet hier alleine der Sender, welche Inhalte verfügbar sind. Das Publikum für solche Anwendungen ist trotz der Verbreitung HbbTV-fähiger Geräte noch sehr klein. IP Deutschland ist noch in der Experimentierphase, will bald auch Inhalte der Mediathek unter der Marke RTL Now auf die Plattform bringen und versuchen, hierbei auch neue Werbeformen zu etablieren. Große Markenartikler sind hier jedoch noch eher abwartend. Wollen andere Plattformen das Programm der RTL-Gruppe verwenden, müssen sie zustimmen, keine Veränderungen am Signal vorzunehmen und insbesondere keine Werbung einzubinden. Auch die öffentlich-rechtlichen Sender sprechen sich seit Jahren vehement gegen solche Anwendungen aus. (se)