Lass die Sonne rein!
Seit dem 1. September ist die Glühbirne endgültig Geschichte – und alle reden von der großen Zukunft der LEDs. Aber wie wäre es zur Abwechslung mal mit Sonnenlicht?
- Robert Thielicke
Seit dem 1. September ist die Glühbirne endgültig Geschichte – und alle reden von der großen Zukunft der LEDs. Aber wie wäre es zur Abwechslung mal mit Sonnenlicht?
Noch ist es nur ein Plan, aber wenn er sich umsetzen lässt, könnte er zu einer wahren Erleuchtung werden. Der New Yorker Technikdesigner James Remsey will ein seit Jahrzehnten stillgelegtes unterirdisches Straßenbahnterminal in einen Park mit Grünpflanzen verwandeln – und dafür Sonnenlicht von der Oberfläche eine Etage tiefer leiten. Das mag versponnen wirken, tatsächlich aber feilen Architekten und Lichtdesigner seit längerem an Konzepten, wie sich Gebäude so konstruieren und klassische Fenster so weiter entwickeln lassen, dass natürliches Licht selbst in die hintersten Ecken der Räume gelangt. Das würde nicht nur Energie sparen, es wäre zudem auch gesünder als Kunstlicht. Gelingt nun Remseys Projekt, dürfte es derartigen Ideen einen spürbaren Auftrieb geben.
Schlecht stehen die Chancen nicht. Remsey war lange Jahre bei der NASA und hat dort an der Entwicklung von Satelliten mitgearbeitet. Nun entwarf er trichterförmige Lichtfänger, die auf der Fläche über dem unterirdischen Straßenbahnterminal baumhoch aufragen. Sie drehen ihre Öffnungen automatisch in die Sonne, um die größtmögliche Menge an Strahlen einzufangen. Das Licht wird dann über ein Reflektorsystem durch ein vergleichsweise schmales Rohr in die Tiefe geleitet und dort wieder ausgestrahlt.
Unsinn? Das Konzept überzeugte immerhin so viele Menschen, dass Remsey über die Crowdfunding-Seite Kickstarter genug Geld einwerben konnte, um eine Demonstrationsanlage zu errichten. Seit vergangenem Wochenende zeigt ein erster Lichtfänger in einem unterirdischen Warenlager, dass das Prinzip funktioniert.
Lowline nennt der Designer sein Vorhaben – in Anlehnung an den mittlerweile berühmten New Yorker Highline-Park. Er war ehemals eine Hochbahntrasse für den Güterverkehr im Westen von Manhatten – und sollte abgerissen werden. Die Idee, sie zu begrünen, war noch vor zehn Jahren ein versponnenes Projekt. Nun flanieren Einwohner über den Hochpark, die Immobilienpreise in der Umgebung steigen. Die High Line hat nicht nur New York grüner gemacht, sondern auch anderen Städten gezeigt, was mit urbanen Sträuchern und Blumen möglich ist.
Wird die Lowline eine ähnliche Strahlkarft entwickeln? Zu hoffen ist es. Für die meisten bedrohlichen Tiefgaragen, düsteren Treppenhäuser und trostlosen Bürohäuser wäre die damit verbundene Technologie ein größerer Fortschritt als jede LED. Kommt künftig zumindest tagsüber mehr Sonne in die Gebäude, dann hat sich der Abschied von der Glühbirne wirklich gelohnt. (rot)