Kommt die Renaissance der Online-Start-Ups?

Teilnehmer einer OECD-Konferenz stellen eine wachsende Bereitschaft fest, fĂĽr digitale Inhalte Geld auszugeben, wenn ein Mehrwert gegenĂĽber der Gratis-Konkurrenz erkennbar ist.

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Von
  • Monika Ermert

"Wir sind an einem Wendepunkt von den klassischen Angebots- und Push-Märkten, zu Nachfrage- Pull-Märkten," beobachtet Donald Johnston, Generalsekretär der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei einer Pressekonferenz am Rande der OECD-Konferenz zur Zukunft digitaler Inhalte. Es gebe wieder neue Ideen, neue Start-Ups und vor allem Geld dafür, im Geschäft mit den digitalen Inhalten, stellte ein Vertreter des britischen Department of Trade and Industrie (DTI) in einer der Podiumsdiskussionen fest. Vorgestellt wurde bei der Konferenz etwa das Projekt Fabchannel – ein Musikangebot, das Livekonzerte ins Web streamt und damit in Zukunft richtig Geld verdienen will.

"Inzwischen fragen Nutzer bei uns an und sagen uns, dass sie bereit sind, zum Beispiel für eine Darstellung im Fullscreen zu bezahlen", sagt Justin Kniest, Managing Director bei Fabchannel. Das Webangebot hat Kniest ursprünglich mit der Idee gestartet, Werbung für die Bands und Konzerte im Paradiso und im Melkweg in Amsterdam zu machen. Für Fans, die nicht vor Ort sein können, bietet Fabchannel die Möglichkeit, die Konzerte im Web zu verfolgen. Außerdem können sich die Zuschauer gleichzeitig per Chat unterhalten. Seit dem vergangenen Jahr wird Fabchannel von der niederländischen Regierung gesponsert, im Rahmen des "Kulturplans" mit 180.000 Euro jährlich.

In Zukunft möchte Fabchannel, der inzwischen knapp zwanzig Mitarbeiter, beschäftigt, weitere Konzertbühnen hinzunehmen, auch in anderen Ländern. Allerdings kämpft man dabei auch mit dem Rechtemanagement. Für Aufführungsrechte machen verschiedene Verwertungsgesellschaften unterschiedliche Sätze geltend, so Kniest, Beträge, die zusätzlich zu den Lizenzgebühren für Künstler oder Labels fällig werden. Deren unterschiedliche Höhe und abweichende Konditionen in den verschiedenen EU-Mitgliedsländern "sind nicht gerade hilfreich", klagt Kniest.

Mit Blick auf Eingriffe von staatlicher Seite ist er allerdings eher zurückhaltend. "Wir wissen, dass wir mit einem kommerziellen Angebot, wie wir es planen, mit kostenlosen Angeboten konkurrieren. Das ist die Realität." Fabchannel soll künftig für einen Subskriptionspreis von ungefähr fünf Euro zu haben sein, außerdem stellt sich Kniest auch den Verkauf von einzelnen Tracks vor. Mit iTunes hat man bereits eine Plattform, die das Angebot vertreiben wird.

Eine mögliche Einflussnahme des Staates in Fragen der Interoperabilität verschiedener Plattformen stieß bei der Konferenz von Unternehmensvertretern mehrheitlich auf Ablehnung. Trotz schlechter Erfahrungen von Intel in Standardisierungsprozessen, sagte Intel-Technologiechef Donald Whiteside: "Wir machen das System kaputt, wenn wir geistiges Eigentum entwerten. Geistiges Eigentum ist das Herz technologischer Innovationen, und wir müssen den Entwicklern die Möglichkeit geben, den Wert ihrer Entwicklungen auszuhandeln." Eine Aufsicht der World Intellectual Property Organisation über die Lizenzfreiheit von Standards lehnte Whiteside ab. Allerdings, so Arndt Rautenberg, Chefstratege bei der Deutschen Telekom AG, sei ein Mindestmaß an Zusammenarbeit notwendig, "nicht nur bei der Abstimmung nicht nur bei der Technologie, sondern auch bei den Geschäftsmodellen, sonst endet der Riesenmarkt in einer Riesenfrustration." (Monika Ermert) / (ssu)