Medienkonferenz: Digitale Konsumenten mit Teenager-AllĂĽren

Heute beginnt in MĂĽnchen die internationale Konferenz "Media in Transition". Dabei geht es unter anderem um die Fragmentierung des Medienkonsums und die Antwort der Anbieter darauf.

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Von
  • Monika Ermert

Die Digitalisierung der Medien macht mehr und mehr junge Couchpotatoes zu Internetnutzern, die neue Angebote begeistert austesten und dabei auch über die Stränge schlagen. "Illegale Downloads, der Zugriff auf Tonnen von Inhalten oder der Start von vier, fünf verschiedenen Medienangeboten zugleich – das zeigt diesen Trend", sagt Annet Aris, Strategy and Management-Dozentin am INSEAD-Institut. Die McKinsey-Medienmarktexpertin ist eine der Referentinnen auf der heute in München beginnenden internationalen Konferenz Media in Transition, bei der es um Strategien der Medienwelt geht, mit dem "wild gewordenen Teenager" umzugehen.

"Früher hat die Medienindustrie ihr Publikum ein wenig wie kleine Kinder behandelt, ihnen einen Fernsehabend, ein komplettes Album serviert", schildert Aris. "Jetzt suchen sie sich die Inhalte ihrer Wahl." Selbst wenn der gemeine Nutzer irgendwann vom Backfisch zum Erwachsenen wird und dann wieder selektiver und qualitätsbewusster, bleibt für die Medienindustrie ein bedrohliches Phänomen: die Fragmentierung des Medienkonsums.

Abgesehen von der Vielzahl der Angebote durch klassische und neue Medienanbieter habe die Digitalisierung auch dafür gesorgt, dass Nutzer sich selbst ausdrücken. Auf die Erfüllung dieses Grundbedürfnisses werden auch die digitalen Erwachsenen nicht mehr verzichten, schätzt Aris. Von Nutzern geschaffene Inhalte, das Phänomen Social Media, bleibe ein starker Konkurrent für die Medienindustrie. Gewinnen können am Ende die besten Portale – eine Reihe von Anbietern präsentiert sich in München – und die Medienanbieter, die es schaffen, viel Aufmerksamkeit für ihre Angebote zu bekommen. Angesichts der Vielfalt von Sparten- und Nischenangeboten gebe es dafür zwei Wege: den Blockbuster oder die Verbreitung über entsprechende Peergroups via soziale Netze. Aris geht davon aus, dass noch mehr Inhalte künftig frei abgegeben werden. Geld verdient werden muss dann mit Anzeigen, Merchandising oder auf anderen Wegen.

Klassische Medienanbieter suchten derzeit händeringend nach dem besten Mix und versuchten durch den Einkauf von neuen Medienanbietern oder die Schaffung eigener Kanäle, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Gewinner oder Verlierer will Aris nicht nennen. Aber die nächste große Welle der Veränderungen stehe der Werbeindustrie bevor. Die hinke hinter der Verschiebung der Nutzung ins Netz hinterher: 20 Prozent Nutzung von Online-Medien stehen laut Aris nur 5 Prozent der Anzeigenausgaben gegenüber. Die Werbeindustrie funktioniere eben noch wie vor zwanzig Jahren, was auch daran liege, dass es so schwer sei, die Wirkung von Online- oder Offline-Wirkung zu vergleichen.

Wer Gewinner und Verlierer der Digitalisierung sein werden, dazu will sich Aris nicht festlegen. Ajit Jaokar, der Gründer des Verlagshauses Futuretext sieht die Distributoren in der Verliererrolle. Die Anbieter von Medieninhalten und die Verbraucher dagegen könnten durch die direkten Interaktionsmöglichkeiten nur gewinnen, meint Jaokar. Er warnt besonders vor einer Walled-Garden-Mentalität der Verwerter. Die Teenager-Mentalität begrüßt er, denn das bringe Nutzer zum spielerischen Umgang mit der Technologie. In München beschäftigt sich Jaokar mit nutzergenerierten Inhalten in der Mobilwelt. Da sollte Europa auf seinen klassischen technologischen Vorsprung aufbauen, riet er kürzlich EU-Abgeordneten. Offene Standards seien dabei übrigens ein Weg zum Erfolg. (Monika Ermert) / (anw)