FehlgezĂĽchtete Tomaten

Konsumenten nehmen seit Jahren klaglos hin, dass der gute Geschmack aus Tomaten herausgezüchtet wurde. Jetzt erklärt ausgerechnet die Genetik, was schiefgelaufen ist.

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Konsumenten nehmen seit Jahren klaglos hin, dass der gute Geschmack aus Tomaten herausgezüchtet wurde. Jetzt erklärt ausgerechnet die Genetik, was schiefgelaufen ist.

Neulich bin ich zufällig über die Erklärung gestolpert, warum Gewächshaus-Tomaten trotz satter roter Farbe oft derart geschmacklos sind. Die Wissenschaft hat nämlich festgestellt, dass die von Händlern gewünschte Uniformität Schuld daran ist. Mit anderen Worten: Es wurden gleichmäßig reifende Sorten gezüchtet, die zur selben Zeit geerntet werden können, und anschließend alle schön gleichmäßig rot aussehen. Die Kundschaft wolle schließlich keine unregelmäßigen Tomaten. Die Züchter bevorzugten also konsequent Pflanzen, die vor der Reifung gleichmäßig grün aussehen, schreiben Forscher von der University of California in Davis (DOI:10.1126/science.1222218). Denn dann reifen sie auch gleichmäßig.

Dummerweise verträgt sich die Genvariante, die nun als Urheber der uniform grünen Jungtomaten identifiziert wurden, nicht mit den genetischen Elementen (sogenannte Genschalter), die unter anderem für die Zuckereinlagerung sorgen. Die Früchte werden also zwar gleichmäßig rot, aber nicht süß und aromatisch. Die Forschen schlagen nun vor, den Gehalt der ausgebremsten Genschalter künstlich zu erhöhen, um das Ungleichgewicht in der Züchtung zurechtzurücken.

Wirklich? Soll das die Lösung sein? Erstens kriegen es die Züchter offenbar bei den Cocktailtomaten (noch?) ganz gut hin, dass sie gleichmäßig rot sind und auch gut schmecken. Zweitens, kriegen wir es bei all der Erfahrung wirklich nicht auf die Reihe, beides in eine Tomate hineinzuzüchten? Hier könnte die vielgescholtene Gentechnik übrigens mal wirklich helfen, so wie sie in diesem Fall auch herausgefunden hat, welche Gene und Genschalter sich da gegenseitig behindern. Ich will ja gar nicht, dass fremde Gene hin und hergeschoben werden. Aber es wäre mal wirklich ein lohnendes Projekt, herauszufinden, welche Tomaten-Varietäten miteinander zu kreuzen sind, weil ihre Gene sich vertragen.

Bis dahin werde ich beim nächsten Bauernmarkt die krummsten und unregelmäßigsten Tomaten kaufen, die ich finden kann. Das wird die Supermarkt-Welt nicht verändern. Aber ich werde mich ein kleines bisschen besser fühlen. (vsz)