Die Newsletter-Lüge
„Entfernen Sie das Häkchen, wenn Sie keinen Newsletter erhalten wollen“ - von wegen! Firmen schicken einem das unerwünschte Spamdokument so oder so. Eine Frechheit!
- Jens Lubbadeh
„Entfernen Sie das Häkchen, wenn Sie keinen Newsletter erhalten wollen“ - von wegen! Firmen schicken einem das unerwünschte Spamdokument so oder so. Eine Frechheit!
Egal, welche Online-Dienstleistung oder App man nutzt – meist wird man gezwungen, sich erst einmal zu registrieren. Die Absicht dahinter ist klar: Daten, Daten, Daten. Für die Werbeindustrie und um die Leute bis an ihr Lebensende zu nerven. Dabei verstehen es viele mit Bravour, die Registrierung so benutzerunfreundlich wie möglich zu gestalten. Erst soll man sich ein möglichst ausgefallenes Passwort einfallen lassen. Früher wurde einem noch empfohlen, dafür möglichst viele Zeichen in Groß- und Kleinschreibung mit möglichst vielen Ziffern zu einem Kauderwelsch zu mischen, an den sich nicht mal der amtierende Gedächtnisweltmeister erinnern würde. Heute hingegen ist diese Passwortpraxis bei vielen Diensten Pflicht. Hat man sich ein möglichst unerinnerbares Passwort ausgedacht, kommt die nächste Hürde: die Captchas – eine fast schon an abstrakte Kunst erinnernde Grafik, aus der man Buchstaben herauslesen soll, um zu beweisen, dass man ein Mensch und keine Maschine ist. Welche Ironie, wenn man bedenkt, wie unmenschlich diese Registrierungsart ist. Dass auch zunehmend Menschen diese Zeichen nicht mehr erkennen, scheint den Nerd, der sich diesen Mist ausgedacht hat, jedenfalls nicht zu interessieren.
Hat man diese Schikanen überstanden, kommt man zur letzten Maske. Da lauern nun mehrere Häkchen auf einen. Eines davon ist das für die größte Lüge im Netz : „Ich habe die AGBs gelesen und akzeptiere sie“. Das andere Häkchen ist das für den Newsletter, den man in der Regel nicht will. Und das befindet sich meistens ganz dicht bei dem obligatorischen AGB-Häkchen und ist per Vorauswahl natürlich schon angemarkert. Verwechslungsgefahr ist hierbei ausdrücklich erwünscht. Ungeduldige und genervte Kollegen, die schnell den Prozess hinter sich bringen wollen, übersehen es und von da an nimmt das Übel seinen Lauf: Sie haben den Newsletter bestellt. Den ewigen Newsletter, wie sich herausstellen wird.
Aber jetzt kommt's: Die Firmen setzen offenbar auf unser Kurzzeitgedächtnis und senden uns den Newsletter so oder so. Neulich habe ich mir die Fahrradnavigations-App „Komoot“ installiert. Ich musste mich registrieren und ich habe den Newsletter ausdrücklich abgewählt. Ich wähle den Newsletter IMMER ab. Ich weiß das ganz genau. Und jetzt habe ich schon den fünften von Komoot in meinem Postfach. Newsletter sind eine Pest. Aber es ist einfach eine bodenlose Frechheit, wenn Firmen glauben, dass sie sich über den Willen des Nutzers hinwegsetzen können. Um den Newsletter loszuwerden, ist ein weiterer nerviger Prozess vonnöten. Denn den Abbestellen-Link verstecken sie natürlich in Kleinschrift am Ende des Letters - wenn er überhaupt vorhanden ist. Manchmal hat man Glück und es kommt sofort die Rückmeldung „Sie wurden abgemeldet“. Meist aber muss man sich erst wieder einloggen – mit dem nicht erinnerbaren Passwort – und dann lange herumsuchen, um das gut versteckte Newsletter-Häkchen zu finden. Bei solchen Firmen möchte ich mich am liebsten gleich wieder abmelden. Manchmal habe ich das auch und die Newsletter kamen trotzdem. Das ist dann das Ultimo an Ignoranz und Respektlosigkeit.
Gedruckten Spam gibt es übrigens auch: Ein Beispiel ist der Weinversand Vinos. Ein Wunder, dass diese Firma nicht schon längst pleite ist, so viel Papier wie die sinnlos bedruckt. In jeder Amazon-Bestellung, die ich bekomme, liegt ein Gutschein von Vinos bei. Das Angebot ist immer dasselbe: Das „Spanien-Genießer-Paket“ - sechs vermeintliche spanische Topweine für den Wahnsinnspreis von nur 29,90 Euro. Dazu muss man den Gutscheincode bei der Bestellung eingeben. Tut man das, wird man seines Lebens nicht mehr froh. Ab dann kommt jeden Monat ein dicker Vinos-Brief per Post. Welch eine Verschwendung von Papier und Bäumen! Flucht durch Umziehen ist sinnlos – ich habe es versucht. Für Vinos gilt: Bis dass der Tod uns scheidet.
(jlu)