US-Geheimdienstchef bestätigt Atomtest Nordkoreas

Weiterhin unklar ist, ob der Test erfolgreich war und Nordkorea damit über eine Atomwaffe verfügt.

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Von
  • Florian Rötzer

Olli Heinonen, Stellvertretender Direktor für Kernmaterialüberwachung bei der IAEA, hatte heute noch erklärt: „Ich glaube, dass niemand auf der Welt, von den Nordkoreanern abgesehen, weiß, wie viel nukleares Material verwendet wurde oder ob es überhaupt eine Atomexplosion gegeben hat.“ Das Pentagon hatte aber bereits am Wochenende gemeldet, dass US-Militärflugzeuge radioaktive Spuren über dem Japanischen Meer gemessen hätten, die einen solchen Test bestätigen könnten. Heute erklärte das Büro des US-Geheimdienstdirektors, dass die Analyse der gesammelten Partikel eine unterirdische Atomexplosion mit einer Sprengkraft von unter 1 kT am 11. 10. in Nordkorea bestätigt.

Sollte nun die Explosion tatsächlich bestätigt sein, so bleibt weiterhin unklar, ob man Nordkoreas Behauptungen über den Erfolg des Tests für bare Münze nehmen muss. Vermutet wird, dass der Test misslungen sei, dass das Land also zwar über waffenfähiges Plutonium verfügt, aber noch keine Bombe bauen kann. Andere ziehen dies in Zweifel und behaupten, dass nordkoreanische Wissenschaftler womöglich bereits Pakistan bei der Entwicklung der Atombombe geholfen haben könnten. 1998 fanden in Pakistan zwei unterirdische Atomtests statt, die kleinere mit einer vermuteten Sprengkraft von unter 1 kT. Da bei den Tests eine Reihe von Nordkoreanern anwesend war und kurz danach das Land verlassen hat, geht etwa der Rüstungsexperte John Pike von Global Security davon aus, dass der Versuch mit der schwächeren Ladung, die mit dem Test am 9.10. vergleichbar wäre, mit der Unterstützung Nordkoreas durchgeführt worden sein könnte. Pike sagt, dass es bei den Tests vielleicht nicht um einen Atombombenversuch gegangen sei, sondern um einen primären Fissionssprengsatz zur Auslösung des Fusionssprengsatzes einer Wasserstoffbombe.

El Baradei, der Generaldirektor der IAEA, warnte heute zur Eröffnung des Nuclear Safeguards Symposium in Wien vor einem neuen nuklearen Wettrüsten. Neben den Atomwaffenstaaten China, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA sowie Pakistan, Indien, Israel und vermutlich Nordkorea würden bis zu 30 weitere Staaten Atomwaffen bauen können. Diese „virtuellen Atomwaffenstaaten“ hätten die Mittel und das Wissen, Uran anzureichern oder Plutonium aufzubereiten. El Baradei kritisierte, dass unterschiedliche Maßstäbe angewendet würden, was dringend anders werden müsse.

Siehe dazu auch in Telepolis: Die Zeichen verdichten sich, dass ein gefährliches neues atomares Wettrüsten beginnt. (fr)