Die Jagd nach dem höchsten Wirkungsgrad bei Photovoltaik
Wenn die Marketingabteilung zuschlägt, kommen nicht selten irreführende, manches Mal sogar unmögliche Zahlen heraus – das gilt auch für den Wirkungsgrad bei Solarzellen, einem der wichtigsten Verkaufsargumente bei der Photovoltaik.
- Craig Morris
Wenn die Marketingabteilung zuschlägt, kommen nicht selten irreführende, manches Mal sogar unmögliche Zahlen heraus: So werden die bekannten Zahlen für die Geschwindigkeit von Grafikkarten (siehe "Dschungelkämpfer" in c't 22/05, S. 114) künstlich erhöht, oder eine hohe Pixelzahl wird bei digitalen Kameras gepriesen, weil die Kunden zuerst danach schauen – auch wenn andere Parameter mittlerweile für gute Bilder wichtiger sind.
In der Welt der Solarzellen und der Photovoltaik ist der Wirkungsgrad das Verkaufsargument Nummer eins für die Marketingabteilung. Der Branchendienst CNet berichtete im Vorfeld der Solar Power 2006 Conference im kalifornischen San José, dass das Unternehmen SunPower einen Durchbruch geschafft habe: Der Firma sei es gelungen, den Wirkungsgrad um 43 Prozent zu erhöhen.
Julie Blunden, Pressesprecherin von SunPower, verwies gegenüber heise online auf den auch in dem Bericht erwähnten Faktor der größeren Module: "Die Module sind größer geworden – von 72 auf 96 Zellen." Es passen also nicht mehr Zellen in ein Modul von der Größe, wie sie bislang geliefert wurden. Allerdings betont Blunden, dass die größeren Module auch Vorteile bringen: "Die Rahmen nehmen prozentual weniger Platz ein, was den Energieertrag pro Quadratmeter erhöht. Außerdem kann man große Flächen nun schneller decken, was die Installationskosten nach unten drückt."
Seit Längerem steht auf der US-Webseite von SunPower zu lesen: "Unsere Zellen sind bis zu 50 Prozent effizienter als herkömmliche Solarzellen." Martin Kalies, der beim europäischen Vetriebsbüro von SunPower in Frankfurt für technische Kundenbetreuung zuständig ist, meinte gegenüber heise online: "Die Angabe bezieht sich auf polykristalline Zellen – unsere sind Monokristalline." Das sei, erklärte Kalies weiter, so, als würde man einen VW-Käfer mit einem Porsche vergleichen.
Dabei hat die US-Firma diese verwirrenden Marketingangaben gar nicht nötig. Bei einem Modulwirkungsgrad von bis zu 17,7 Prozent gehören die Module von SunPower zu den besten auf dem Markt. Sie haben Kontakte auf der Rückseite: Dies erhöht den Wirkunsgrad, da vorne keine Fläche für die Kontakte verloren geht. Außerdem sorgt dies für ein gleichmäßigeres Erscheinungsbild: Die silbernen Linien der Kontakte auf dem schwarzen Hintergrund des Monosiliziums entfallen.
Die Angabe des Wirkungsgrads ist wichig für alle, die möglichst viel Strom auf knappem Raum – beispielsweise auf einem kleinen Dach – erzeugen wollen. Wenn man aber genug Platz hat, ist jedoch eher das Verhältnis zwischen Modulpreis und Wirkungsgrad ausschlaggbend: der Preis pro Watt. Selbst wenn monokristalline Zellen um fast 50 Prozent effizienter sind, der Preis aber mehr als 50 Prozent über dem anderer Zellen liegt, wählt man vielleicht lieber Polykristalline.
Seit Jahren schon bereitet die Knappheit in der Solarsiliziumlieferkette der Solarindustrie Sorgen. Die Industrie versucht den Wirkungsgrad zu erhöhen, mit weniger Silizium auszukommen und ganz neue leitende Materialien zu entwickeln. Das Fraunhofer ISE in Freiburg entwickelt beispielsweise einen organischen Farbstoff, der Licht in Strom umwandelt. Doch der Engpass in der Siliziumkette dürfte bis 2008 überwunden sein, weil die Kapazitäten drastisch ausgebaut werden. Auch danach aber müssen wir uns wohl mit irreführenden Angaben für den Wirkungsgrad abfinden. Und das, obwohl der Wirkungsgrad oft flöten geht, wenn die Anlagen selbst nicht optimal aufgestellt sind, wie das Fraunhofer ISE im Frühjahr berichtete: Bei ungünstiger Dachneigung oder teilweiser Beschattung können weniger effiziente, aber billigere Module die bessere Wahl sein.
Weitere Informationen finden sich im Telepolis-Special "Energiesparen", unter anderem mit Tipps zur richtigen Auswahl und Installation von Photovoltaik-Modulen. (Craig Morris) / (jk)