Überlebenskapsel für Tsunamis

Ein australischer Bootshersteller hat einen "Survival Pod" entwickelt, den Menschen besteigen können, wenn zu wenig Zeit ist, sich an Land in Sicherheit zu bringen.

vorlesen Druckansicht 13 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • David Zax

Ein australischer Bootshersteller hat einen "Survival Pod" entwickelt, den Menschen besteigen können, wenn zu wenig Zeit ist, sich an Land in Sicherheit zu bringen.

Der Hausbootspezialist Havana aus dem australischen Melbourne hat eine wasserdichte Rettungskapsel entwickelt, in die sich Menschen bei einer Tsunamikatastrophe zurückziehen können. "Natürlich wäre die sicherste Option, sich im Fall der Fälle an einen höher gelegenen Ort zu begeben", meint Firmenchef Matthew Duncan. "Tausende Betroffene in Japan hatten diese Wahl aber nicht." Die vielen Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe im Frühjahr 2011 hätten ihn motiviert, eine alternative Lösung zu entwickeln.

Havanas "Tsunami Survival Pod", kurz TSP, basiert auf den Erfahrungen, die das Unternehmen im Bootsbau mit Schiffskörpern aus Stahl gemacht hat. Der TSP ist zylindrisch und erlaubt es so, der Gewalt der Wellen zu widerstehen. "Die Formeln, die wir beim Bau eines regulären Rumpfes anwenden, können wir auch bei der Gestaltung des TSP nutzen." Dazu wurden zunächst Schwerpunkt, Verdrängung und auf das Schiff wirkende Wellenkräfte berechnet.

Die Rettungskapsel verfügt an ihrer Außenseite über runde Pufferstrukturen, die verhindern sollen, dass ein Zusammenstoß mit anderen Objekten, die ein Tsunami ins Meer spült, den Rumpf aufbricht. Innen ist wiederum ein ringförmiger Rahmen mit vertikalen Pufferstrukturen verbaut, der die Passagiere gegen die verschiedenen Kräfte absichern soll, die bei einem Tsunami wirken. Die Passagiere sind zusätzlich mit Gurten gesichert und tragen Helme.

Ein Signalgeber soll im Notfall Hilfskräfte anlocken. Lange lässt es sich im TSP allerdings nicht aushalten: Einmal geschlossen, soll die Sauerstoffkapazität der Kapsel für zweieinhalb Stunden ausreichen, wenn vier Personen an Bord sind.

Das System verfügt über zwei Ausstiegslugen, so dass die Nutzer jederzeit aus der Kapsel kommen. Fenster aus gehärtetem Spezialmaterial sind integriert, damit der Ritt auf den Wellen nicht zu klaustrophobisch wird. Die Bergung kann entweder von Schiffen aus oder mittels Hubschrauber erfolgen – passende Haken befinden sich an allen Seiten.

Havana-Chef Duncan hat anhand von Videos aus Japan studiert, wie sich Tsunamiwellen ausbreiten und wie sich mitgerissener Trümmerteile verhalten. Der TSP kann dabei problemlos tauchen, kein Tropfen Wasser soll eindringen können.

Das Grunddesign des Tsunami Survival Pod ist vergleichsweise günstig – Havana schätzt, dass ein TSP in Serienproduktion rund 8500 Dollar kosten wird. Erste Hersteller von Sicherheitssystemen sollen interessiert sein. Havana arbeitet parallel auch noch an einer Version für Einzelpersonen. Diese soll deutlich kompakter sein und sich zusammenklappen lassen – und gegebenenfalls unter ein Bett passen.

Duncan ist von der Technik überzeugt: "Mir würde es ausreichen, wenn ich nur einen TSP verkaufe und damit vier Leute rette." Ihn hätten die Bilder aus Japan sehr mitgenommen. Ganz neu ist die Idee übrigens nicht: Auf Bohrinseln werden bereits ähnliche Rettungskapseln eingesetzt, die zumindest teilweise tauchfähig sind. (bsc)