IROS: Robocops fĂĽr die Umwelt

Sollen Roboter die Restmülltonne nach Pfandflaschen durchsuchen? Ein Workshop der IROS-Tagung beschäftigt sich vielmehr mit dem Einsatz autonomer Systeme bei der Erfassung von Umweltdaten - bei jedem Wetter und rund um die Uhr.

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Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Kaum ist der letzte Roboterwettbewerb beendet, beginnt der nächste: Die IROS (International Conference on Intelligent Robots and Systems), die offiziell am Montag in Vilamoura an der Algarve in Portugal eröffnet, ist jedoch mehr als ein Wettbewerb. Sie gilt als die als größte und bedeutendste wissenschaftliche Tagung zur Robotik. Eingerahmt wird die viertägige Veranstaltung von einem vielfältigen Workshop-Programm, das bereits am heutigen Sonntag zahlreiche Teilnehmer in das Konferenzhotel lockte und am Donnerstag und Freitag fortgesetzt wird.

Im Workshop Robotics for Environmental Monitoring etwa berichtete Hugo Ferreira vom Autonomous Systems Laboratory in Porto von Einsätzen des Roboter-Katamarans ROAZ auf Flüssen vor der Atlantikküste und in Häfen. Das 4,5 Meter lange Boot half, das Erosionsrisiko an den Ufern besser einzuschätzen und fand potenziell gefährlichen Müll, der bei einem Brückenbau einfach im Fluss entsorgt worden war. Eher durch Zufall gelang der Fund des Wracks des 1959 gesunkenen Schleppers „Marialva“, der jetzt genauer untersucht wird.

Roboter können die Erhebung von Umweltdaten erheblich erleichtern und verbessern, da sie, im Unterschied zu Menschen, kontinuierlich betrieben werden können. Es gebe sonst eine „Schön-Wetter-Verzerrung“ sagte Matthew Dunbabin von der australischen Forschungs-Organisation CSIRO: „Das Militär kommt immer erst, nachdem die Coffeeshops geöffnet haben.“ Auch zivile Forscher gingen lieber ins Feld, wenn die Sonne scheint. Ebenso sei die Datendichte in Streifen von etwa hundert Metern Breite neben den Straßen in der Regel höher als anderswo.

Dennoch gebe es auf Seiten von Umweltforschern Vorbehalte gegenüber der Robotik. Beide Disziplinen verfolgten halt unterschiedliche Denkweisen, die einen testen Hypothesen, die anderen Systeme. Gleichwohl ließ Dunbabin keinen Zweifel, dass die Umwelt vom Robotereinsatz profitieren könne. Ein Beispiel seien Extremereignisse wie schwere Stürme, bei denen üblicherweise erst im Nachhinein Daten erhoben werden. Fest installierte Sensorsysteme, die kontinuierlich Messungen vornehmen, könnten dagegen helfen, das Entstehen solcher Ereignisse besser zu verstehen. Ein anderes Beispiel sei die Überwachung des Pflanzenwachstums, das sich mithilfe von Robotersystemen genauer quantifizieren ließe, was insbesondere für die Landwirtschaft von Bedeutung sein kann. In Gewässern schließlich ließe sich der Bestand an Wasserpflanzen häufig nur mit Robotern genau bestimmen. Denn dass Umweltwissenschaftler nicht unbedingt ins tiefe Wasser abtauchen, um dort die Vegetation zu erfassen, hat nicht mehr viel mit deren vermeintlicher Bequemlichkeit zu tun. Das ist einfach sehr aufwendig und gefährlich. Wie geschaffen also für Roboter. (it)