Chipbranche beklagt "dramatischen Fachkräfte-Mangel"
Insgesamt ist die Stimmung in der Chipbranche gut, allerdings sei eine Kraftanstrengung von Politik und Wirtschaft notwendig, meinte der Präsident des Branchenverbands SEMI Europe; er setzt dabei auch auf Subventionen.
Die europäische Halbleiter-Branche schlägt Alarm. "Wir haben zu wenig Ingenieure, wir haben zu wenig Naturwissenschaftler", sagte Heinz Kundert vom Branchenverband SEMI Europe auf einer Handelsblatt-Tagung in München. Die Entwicklung sei im Wettbewerb mit den asiatischen Herausforderern dramatisch. Wenn der Trend anhalte, seien im Jahr 2010 mehr als 90 Prozent aller Naturwissenschaftler und Ingenieure Asiaten, die in Asien arbeiteten. Das sei "fast ein Horrorszenario" für die europäische Halbleiterbranche. Die Politik müsse Bildung stärker fördern und die Ansiedlung von Hightech-Industrien mit Subventionen unterstützen. Auch der IT-Branchenverband Bitkom hatte vor wenigen Tagen die sinkenden Absolventenzahlen in den technisch-naturwissenschaftlichen Studienfächern beklagt und vor einem Mangel an Spitzenkräften gewarnt.
Insgesamt ist die Stimmung in der Chipbranche gut: "2008 kommt der nächste zyklische Höhepunkt", sagte Brian Matas, Vizepräsident von IC Insights. Auch Verbandspräsident Kundert zeigte sich zuversichtlich. "Es wird zwar Rückschläge geben, aber dieser Markt wird weiterwachsen." Allerdings müssten die Europäer mit insgesamt 285 Branchenwerken eine gemeinsame Identität entwickeln, um mit den großen Konkurrenten mithalten zu können. Fähigkeiten gebe es ausreichend in Europa. In der Nanotechnologie spielten die Unternehmen beispielsweise eine wichtige Rolle. Auch im Bereich der Autoelektronik und bei der Photovoltaik seien die Unternehmen vorne mit dabei. Inzwischen könne man zudem günstige Fertigung in Osteuropa erledigen lassen. "Wir müssen nicht unbedingt nach China gehen."
Allerdings sei eine Kraftanstrengung von Politik und Wirtschaft notwendig. Kundert setzt dabei auch auf Subventionen. In Asien trage eine entsprechende Politik Früchte. So habe der taiwanische Staat die Halbleiter-Industrie mit günstigem Grund und Steuervergünstigungen gefördert. Das asiatische Land habe auch in die nötige Infrastruktur und Bildung investiert. Dies funktioniert aus Sicht von Kundert auch in Europa. Als Beispiel nannte er Dresden. Dort haben sich in den vergangenen Jahren um subventionierte Werke des weltweit zweitgrößten Mikroprozessorenherstellers AMD zahlreiche Zulieferer angesiedelt. Auch der Münchner Chipbauer Infineon ist dort ansässig. In der Region Dresden entstand neben den Regionen um Leuven (Belgien) und Grenoble (Frankreich) laut Kundert ein weiteres europäisches "Kompetenzzentrum", welches die Halbleiter-Industrie vorantreibt. (dpa) / (jk)