Kurze Halbwertszeit: Zerfall der Thüringer Straßen
Thüringens neue Straßen müssen schon wieder repariert werden. Experten vermuten Preisdruck und die Umstellung der Materialzusammensetzung auf europäische Normen als Ursachen für den raschen Verschleiß
Thüringens Straßen müssen repariert werden. Schlaglöcher und Baustellen prägen aber nicht etwa die ganz alten Pisten, sondern vor allem die ganz jungen Verkehrswege. Experten vermuten Preisdruck und die Umstellung der Materialzusammensetzung auf europäische Normen als Ursachen für den raschen Verschleiß.
Viele neu gebaute Straßen in Thüringen altern im Zeitraffertempo. „Die Lebensdauer der Bundes- und Landesstraßen kann insgesamt nicht zufriedenstellen“, sagte der Chef des Landesamtes für Bau und Verkehr, Markus Brämer, der Nachrichtenagentur dpa. Das betreffe vor allem Straßen, die zwischen 2005 bis 2009 gebaut wurden. So habe etwa die Asphaltschicht auf der Autobahn A 71 im Bereich Ilmenau bis Meiningen auf etwa 25 Kilometern sowie am Kreuz Gispersleben bei Erfurt teilweise nur 6 bis 8 Jahre gehalten. Eigentlich sei mit etwa 12 bis 15 Jahren gerechnet worden.
Grund sei die schlechte Qualität des damals verwendeten Bitumens. Als die deutschen Standards auf europäische Norm umgestellt wurden, sei die Qualität des Bitumens schlechter geworden, glaubt Brämer. Dieser diene dem Asphalt als Bindemittel, und dessen „Klebekraft“ habe zu schnell nachgelassen. Das habe zu einer schnelleren Alterung des Asphalts, zu Rissen und Ausbrüchen geführt. Laut Brämer haben wegen des Preisdrucks viele Firmen damals knapp kalkuliert und die Toleranzen der Euronorm nach unten ausgereizt. Der Freistaat habe deshalb 2009 mit eigenen Bestimmungen und Richtlinien reagiert. Die von 1992 bis etwa 2000 gebauten Autobahnen zeigen hingegen Brämer zufolge erst nach den veranschlagten 12 bis 15 Jahren erste Schäden. Auf der Autobahn A 4 bei Nohra in der Nähe von Weimar sei der Gussasphalt hingegen sogar noch nach 16 bis 18 Jahre in tadellosem Zustand. Die Mittel für den Erhalt der Autobahnen sind laut Brämer weniger geworden. Diese gingen 2012 verglichen mit dem Vorjahr von 15,5 Millionen Euro auf 10,7 Millionen Euro zurück. (dpa) (fpi)