"ReCharge Concept": Volvo C30 an der Steckdose

Volvo stellt auf der IAA ein "Plug-in"-Hybridfahrzeug vor, das alleine mit elektrischem Antrieb bis zu 100 km weit fahren soll. Der Verbrennungsmotor wird nur gebraucht, wenn bis dahin keine Steckdose in der Nähe ist.

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Von
  • Gernot Goppelt

Volvo stellt auf der IAA ein "Plug-in"-Hybridfahrzeug vor, das alleine mit elektrischem Antrieb bis zu 100 km weit fahren soll. Erst dann muss der Verbrennungsmotor zugeschaltet werden, um die Batterie wieder aufzuladen. Bei dem "Volvo ReCharge Concept" auf Basis des C30 handelt es sich um ein serielles Hybridkonzept, bei dem der Verbrennungsmotor keine Antriebsfunktion ĂĽbernimmt, sondern ausschlieĂźlich zum Laden der Batterie dient. Die Lithium-Polymer-Batterie verfĂĽgt laut Volvo ĂĽber eine Lebensdauer, welche diejenige des Fahrzeugs ĂĽbersteigt.

Der Grundtenor unter vielen Automobilentwicklern ist heute, dass serielle Hybride aus Energie- und Platzgründen nicht sinnvoll sind. Das zweite Argument ist beim Volvo-Hybrid jedoch hinfällig, denn er wird von vier Radnabenmotoren angetrieben. Praktisch führt Volvos Konzept dazu, dass in der Plattform weder ein Elektromotor noch ein Getriebe untergebracht werden muss, ein Platzproblem gibt es also nicht. Wie sich die höheren ungefederten Massen an den Rädern auf das Fahrverhalten auswirken, wird Volvo noch zeigen müssen.

100 km Reichweite sind ein Wert, der auch längere emissionsfreie Fahrten in Innenstädten zulässt. Dabei darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Batterien schließlich irgendwann per Verbrennungsmotor aufgeladen werden müssen, sofern dies nicht an der Steckdose erfolgt – doch gerade das ist beim ReCharge Concept vorgesehen, deswegen heißt er so. Unter bestimmten Betriebsbedingungen könnte der Verbrennungsmotor weitgehend arbeitslos bleiben. Man stelle sich beispielsweise einen Vorstadtbewohner vor, dessen Gesamtstrecke von und zur Arbeit immer unter 100 km liegt, er würde tatsächlich emissionsfrei fahren – sofern man die Stromerzeugung bis zur Steckdose großzügig außen vor lässt.

Bei denjenigen, die auch längere Strecken fahren, schaltet sich der Verbrennungsmotor zu, sobald die Batterie nur noch 30 Prozent Ladestand hat. Der Fahrer kann diesen Automatismus jedoch durch simplen Knopfdruck übersteuern: Wenn er zum Beispiel mit voller Batterie in eine Stadt einfahren möchte, schaltet er den Verbrennungsmotor einfach früher ein und erreicht mit gut gesättigter Batterie die Stadtgrenze.

Volvo gibt einen Verbrauch von 0 bis 5,5 Liter pro 100 Kilometer an, je nachdem, wie weit man die elektromotorische Reichweite von 100 Kilometer überschreitet. Bei 150 km Fahrtstrecke betrage der Verbrauch beispielsweise weniger als 2,8 Liter. Das Laden an der Steckdose dauert drei Stunden, ein Schnellladung für 50 km etwa eine Stunde. Wie viel das Fahrzeug braucht, wenn man es nie an der Steckdose lädt, verrät Volvo nicht. Zugegeben – das wäre auch kleinlich, denn das ist nicht sein Einsatzzweck. Vielleicht leitet Volvos Konzeptfahrzeug sogar ein Revival von seriellen Hybridantrieben ein, auch gegen den Mainstream in der Automobilindustrie, es wäre nicht das erste Mal.

Siehe dazu auch in heise Autos:

(ggo)