Smarter Teppich gibt Biofeedback

Britische Forscher wollen Bodenbeläge schlauer machen und für Sicherheits- und Gesundheitsanwendungen nutzen.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • David Zax

Britische Forscher wollen Bodenbeläge schlauer machen und für Sicherheits- und Gesundheitsanwendungen nutzen.

Heutzutage werden immer mehr Alltagsgegenstände "smart" – vom Fernseher über das Handy bis zum Stromzähler. Forscher an der University of Manchester arbeiten nun an einer ganz neuen Entwicklung: intelligenten Bodenbelägen fürs Heim.

Die Idee: Der "smart carpet" enthält optische Fasern, die sich durch das ganze Gewebe ziehen. Sobald eine Person den Teppich betritt, verbiegen sich die optischen Fasern und Sensoren am Rand signalisieren dies einem Rechner. Dieser Rechner analysiert dann wiederum die genaue Art von Druck, die auf den Bodenbelag ausgeübt wurde.

Eine solche Sensorik kann aus mehreren Gründen sinnvoll sein. Zu einem der Nutzungsszenarien zählen Sicherheitssysteme für allein lebende alte Menschen. Erkennt der Teppich dann beispielsweise einen plötzlichen Sturz, könnte das System sofort die Angehörigen oder Nothelfer rufen.

Eine weitere Anwendung ist die Physiotherapie: Der Teppich könnte das Laufmuster eines Bewohners über einen längeren Zeitraum erfassen und später Veränderungen feststellen – beispielsweise, wenn man mehr Gewicht auf ein Bein verlagert oder einen ungesunden Gang annimmt. Mit genügend Daten und einer Interpretation durch Software (oder einen Physiotherapeuten) ließen sich Mobilitätsprobleme frühzeitig erkennen – und gegebenenfalls korrigieren. Dies unterstützt den aktuellen Trend, Sensortechnik im therapeutischen Bereich einzusetzen.

Es gibt auch noch eine weitere Nutzungsmöglichkeit für den "smart carpet": die Sicherung der Wohnung. Kennt das System einmal den Gang der Bewohner des Hauses und um 3 Uhr nachts kommt plötzlich ein Eindringling, der sich ganz anders bewegt, könnte Alarm geschlagen werden. Die Detektion wäre womöglich genauer als Bewegungsmelder, die auch bei zugelassenen Personen anschlagen. Ebenso könnte das System als Feuer- oder Wasserschadensmelder dienen.

Bislang ist noch unklar, ob und wann das System kommerzialisiert wird. Patricia Scully, die Teil des Forscherteams war, spezialisiert sich auf optische Sensorverfahren und Polymer-Optoelektronik. Sie hat bereits kostengĂĽnstige Detektoren aus optischen Fasern entwickelt und arbeitet an Femtosekunden-Lasern. (bsc)