Big Business Smartphone-Sicherheit

Angriffe auf Mobilgeräte nehmen zu, Datenschädlinge breiten sich aus. Der US-Netzbetreiber AT&T glaubt, dass sich aus der Gefahr ein Geschäft machen lässt.

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Von
  • Rachel Metz

Angriffe auf Mobilgeräte nehmen zu, Datenschädlinge breiten sich aus. Der US-Netzbetreiber AT&T glaubt, dass sich aus der Gefahr ein Geschäft machen lässt.

Malware ist längst nicht mehr nur auf Desktop-PCs beschränkt: Datenschädlinge werden zunehmend mobil. Der amerikanische Mobilfunkanbieter AT&T hofft nun, dass sich damit auch Geld verdienen lässt: Der Konzern verkauft Firmen und demnächst auch Endkunden Sicherheitslösungen im Monatsabo. Die sogenannte AT&T Mobile Security Suite soll Geräte gegen Handy-Viren und andere problematische Software schützen, die in Apps stecken können. Dazu läuft außerdem ein Filterdienst im Mobilnetz, der Gefahren frühzeitig erkennen soll.

Das neue Produkt ist Teil der Strategie von AT&T, neben der reinen Telefon- und Datennutzung weitere Einnahmequellen zu generieren – mit Vorliebe im Service-Bereich. AT&T hat zum Beispiel bereits einen Dienst gezeigt, mit dem sich SMS-Nachrichten automatisch übersetzen lassen. Die Anti-Malware-Software könnte sich auch aufgrund der enormen Wachstumszahlen im Smartphone-Geschäft lohnen: Immer mehr Nutzer setzen auf die kleinen Computer statt auf Einfach-Handys.

AT&T ist nicht das einzige Unternehmen, das im mobilen Sicherheitsmarkt mitmischen will. Die klassischen Anti-Viren-Firmen schlagen Alarm. Laut McAfee kamen im zweiten Quartal 2012 immerhin 4500 verschiedene neue Malware-Typen hinzu, die Gesamtdatenbank aller Datenschädlingsproben, die das Unternehmen mittlerweile im Labor hat, bestehe aus 13.000 Stück. Die meiste Malware läuft auf Android-Geräten – das Google-Mobilbetriebssystem gilt weltweit als meistverbreitet. Konkurrierende Systeme wie Apples iOS prüfen die Apps vor der Zulassung genauer.

Bereits jetzt können Nutzer einzelne Sicherheitsprodukte herunterladen. Lookout verkauft für Android sein "Security & Antivirus"-Paket, TrustGo Antivirus will Smartphones durch regelmäßig Scans und Dateichecks schützen, inklusive Abgleich mit einer wachsenden Schädlingsdatenbank.

Die AT&T Mobile Security Suite soll sowohl eine App enthalten als auch einen Dienst, der im Netz des Mobilfunkanbieters nach Zeichen problematischer Aktivitäten sucht. AT&T-Sicherheitschef Ed Amoroso glaubt, dass der kombinierte Ansatz es Angreifern erschwert, die Verteidigungstechniken auszuhebeln. "Das System läuft 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Wir machen es damit Hackern etwas schwerer."

Der Dienst soll mit allen Telefonen funktionieren, die Apps herunterladen können – laut Amoroso neben Android und Blackberry sogar das abgeschlossene iOS. Eine geplante Funktion nennt sich "AT&T Toggle", mit der sich Telefone von einem Standardmodus in einen Arbeitsmodus umschalten lassen. In Letzterem hat der Arbeitgeber mehr Kontrolle über das Gerät.

Neil Shah, Analyst bei Strategy Analytics, hält die AT&T-Idee für einen passenden Schritt, weil immer mehr iPhones und Android-Smartphones die besser kontrollierbaren Blackberry-Geräte in Unternehmen ersetzen.

Wie schon bei Antiviren-Software auf PCs könnte sich das Geschäft schrittweise entwickeln, glaubt AT&T-Mann Amoroso: Zuerst interessierten sich Firmen dafür, später auch Endkunden. Große Player wie McAfee und Symantec seien schließlich auch anfangs durch ihre Aktivitäten im Business-Markt groß geworden. "Wir denken, dass das auch hier so passieren wird." (bsc)