Mischkonzern Sonae greift nach führendem Telecom-Anbieter Portugals
Das vom Milliardär Belmiro de Azevedo angeführte Unternehmen bietet in einer feindlichen Übernahmeofferte 9,50 Euro je Aktie für den ehemaligen portugiesischen Telecom-Monopolisten; Telefonica und France Telecom könnten in einen Übernahmepoker einsteigen.
Der portugiesische Mischkonzern Sonae will für rund elf Milliarden Euro den fast fünfmal größeren Ex-Monopolisten Portugal Telecom (PT) übernehmen. Das vom Milliardär Belmiro de Azevedo angeführte Unternehmen bietet 9,50 Euro je Aktie, was einer Prämie von 16 Prozent auf den PT-Schlusskurs vom Montag entspricht. Analysten bewerteten die als feindlich eingestufte Offerte für Portugals führenden Telecom-Anbieter am Dienstag als zu niedrig. Dies könne einen Übernahmepoker auslösen und vor allem die spanische Telefonica als größten PT-Einzelaktionär sowie France Telecom als Anteilseigner bei der Mobilfunktochter Sonaecom auf den Plan rufen.
Das Angebot von Sonae sei aus Sicht der Größenverhältnisse vergleichbar mit einem Versuch von Arcor, die Deutsche Telekom zu übernehmen, sagte ein Analyst der WestLB – mit der Einschränkung, dass Sonae als großer Mischkonzern jedoch über genügend Mittel verfüge. In Portugal wäre es die größte Übernahme in der Geschichte des Landes. Zunächst müssen sich jedoch die Wettbewerbshüter äußern. Die Aktien von PT schossen am Dienstag an der Lissabonner Börse über 20 Prozent in die Höhe, die Titel von Sonae fielen.
Ministerpräsident José Sócrates kündigte an, seine Regierung werde die Offerte prüfen und sich erst nach einer PT-Hauptversammlung abschließend äußern. In der Presse hieß es, der Sozialist habe seine Zustimmung signalisiert. Allerdings fordert Sonae-Chef Azevedo, dass der Staat auf seine "goldene Aktie" verzichtet, mit der strategische Entscheidungen bei PT blockiert werden können. Zudem verlangt der 67-jährige Großindustrielle mehr als zehn Prozent der Stimmrechte, was nach den bisherigen Statuten verboten ist. Den Erfolg der Übernahme macht er davon abhängig, mindestens 50,01 Prozent der PT-Aktien in seinen Besitz zu bringen.
Azevedo ist mit einem geschätzten Vermögen von 1,1 Milliarden Euro der reichste Mann Portugals. Er steht an der Spitze eines Imperiums, zu dem Supermarktketten, Holzunternehmen, Telecom-Firmen oder Medien – etwa die angesehene Zeitung "Público" – gehören. So kontrolliert sein Konzern über die Tochter Sonaecom den drittgrößten portugiesischen Mobilfunkanbieter Optimus oder den Festnetzbetreiber Novis. An Sonaecom ist France Telecom mit knapp 24 Prozent beteiligt.
Portugal Telecom ist mit einem Marktanteil von 90 Prozent der führende Festnetzbetreiber des Landes und kontrolliert auch den größten Mobilfunkanbieter TMN. Über PT Multimedia besitzt der frühere Monopolist zudem den größten Kabelfernsehen-Betreiber Portugals. Die spanische Telefonica ist mit knapp zehn Prozent der größte Einzelaktionär von PT. (dpa) / (jk)