Flatrate ĂĽber alles
Japans Softbank kauft für 20 Milliarden US-Dollar das US-Mobilnetz Sprint. Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um einen Ego-Trip von Softbank-Gründer Son. Auf den zweiten steht der Kern seiner interessanten Geschäftsidee auf dem Prüfstand.
- Martin Kölling
Japans Softbank kauft für 20 Milliarden US-Dollar das US-Mobilnetz Sprint. Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um einen Ego-Trip von Softbank-Gründer Son. Auf den zweiten steht der Kern seiner interessanten Geschäftsidee auf dem Prüfstand.
Hiermit küre ich den japanischen Selfmade-Milliardär Masayoshi Son zum Ehren-Bremer. Denn der Gründer des Internet- und Mobilnetzkonzerns Softbank lebt ganz nach dem Wahlspruch der Kaufmannschaft meiner Heimatstadt: Buten un Binnen, wagen un winnen. Im Alter von 16 Jahren zog er nach Amerika, gründete 1981 seine Firma und setzt sie immer wieder durch riskante Mega-Investitionen für seinen großen Traum aufs Spiel, von Japan aus ein weltumspannendes Internet-Imperium aufzubauen. "Ich bin ein Mann", begründete er am Montag sein jüngstes Hasardeur-Stück, "und es ist Teil meines Egos, Nummer 1 sein zu wollen".
Für insgesamt 20 Milliarden Dollar kauft Sons Softbank den kränkelnden US-Mobilnetzbetreiber Sprint Nextel, der abgeschlagen auf dem dritten Platz hinter den Duopolisten Verizon und AT&T dümpelt. Und Son verspricht, Sprint genauso an die Spitze zu führen wie er es mit Softbank in Japan gemacht hat. 2006 übernahm er Vodafones sieches Mobilnetz in Japan und überholte allen Unkenrufen zum Trotz mit innovativen Geschäftsideen erst die Nummer 2 (KDDI) und nun ganz vielleicht sogar die ewige Nummer 1 (NTT Docomo).
Ich glaube zwar nicht, dass er in den USA genauso großen Erfolg wie in Japan haben wird. Denn sein wichtigstes Erfolgsrezept kann er diesmal nicht nutzen. In Japan hatte Softbank vier Jahre ein Monopol auf Apples iPhone, während Sprint nur einer von mehreren Anbietern ist – und dazu das iPhone erst kürzlich ins Programm aufgenommen hat. Aber darum geht es mir nicht. Mir geht es darum, dass er dennoch den Duopolisten im US-Markt mit einer meines Erachtens richtigen Idee Marktanteile abluchsen kann: der preiswerten Datenflatrate.
Die Platzhirsche haben diese insbesondere fürs iPhone gestrichen – oder sie drosseln ihren Datendurchsatz nach einer Weile, um ihre Netze zu schützen. Sie wollen mehr Geld sehen, ganz nach der alten Manier von Telekomunternehmen, die den Umsatz pro Nutzer hochtreiben. Doch der Internet-Investor Son denkt anders und setzt stattdessen darauf, über das Handy hinaus mit innovativen Produkten mehr Verträge zu scheffeln und dafür Handy- und Wifi-Netze zu integrieren. Nicht zu unrecht: Datenverträge für Nicht-Handys ist für mich ein Boommarkt der Zukunft.
In Japan führte Softbank bereits den digitalen Bilderrahmen ein, der mit einem 3G-Anschluss ausgestattet ist. Auf den können Kunden zum Beispiel ihren Eltern über das Handynetz Bilder ihrer Kinder schicken. Andere Geräte folgen: Aroma-Zerstäuber, die ihre Duftformeln über das Handy laden. Oder noch wichtiger: eine neue Digitalkamera-Generation mit Handybetriebssystemen, wie Nikon und Samsung sie vorgestellt haben. E-Book-Reader sind ein weiteres Einsatzfeld. Und auch Haushaltsgeräte werden mit Kommunikationstechnik versehen, von Autos ganz zu schweigen. In den USA kann Son jetzt zeigen, dass er mit diesem Rezept reüssieren kann. Ich drücke ihm jedenfalls die Daumen. (bsc)