Neu-Auflage

Der Anspruch, zunehmenden Komfort mit abnehmendem Gewicht umzusetzen brachte die Ingenieure des Zulieferers Johnson Controls dazu, neue Wege im Sitzbau zu suchen. Dabei stießen sie auf das Prinzip der Matratze

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München, 23. Oktober 2012 – Noch bis in die 70er-Jahre steckten in vielen Autositzen Spiralfedern. Analog zu Federkernmatratzen konnte man von Federkernsitzen sprechen. Den hohen Produktions- und Materialaufwand für solch komfortables Gestühl konnte sich allerdings bald kein großer Hersteller mehr leisten und so gerieten sie in Vergessenheit. Als Standard etablierten sich weithin Schaumstoffpolster.

Erst der Anspruch, zunehmenden Komfort mit abnehmendem Gewicht umzusetzen – heute will ja beim Sparen niemand mehr verzichten – brachte die Ingenieure des Zulieferers Johnson Controls dazu, neue Wege im Sitzbau zu suchen. Dabei stießen sie auf das Prinzip Matratze und auf diesem Umweg wieder auf den Federkern. Und was ist die Deluxe-Variante der Federkernmatratze für’s Bett? Richtig – die Taschenfederkernmatratze!

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Der Sitz verrät seine inneren Werte höchstens durch seine schmalere Lehne. Hier ein Prototyp des "Comfort Thin"

Bild: Johnson Controls

Konsequenterweise holte man Harrison Spinks, einen britischen Hersteller von Luxus-Bettwaren ins Bett, äh, Boot. Von diesem 1840 gegründeten Unternehmen wurde die nur für Autositze innovative und ansonsten altbekannte Technologie adaptiert, bei der kleine Spiralfedern einzeln in Taschen zu einer Einheit verpackt und dann zu einer Matratze zusammengefügt werden. Mit Federn verschiedener Härte kann jeder Bereich des Rückens gezielt unterstützt werden, zudem ist so ein Federkern atmungsaktiver als Schaumstoff. Der dadurch hohe Langstrecken- und Klimakomfort kann sich durch geringere Ermüdung der Muskulatur und des Fahrers bemerkbar machen.

Auf diese Weise gepolsterte Sitzlehnen sind aber auch zwischen fünf und 20 Prozent leichter als Lehnen aus dem gängigen Polyurethan-Schaum und können um bis zu 20 Prozent schmaler ausfallen. Damit kann der Autokonstrukteur Knieraum für die Passagiere gewinnen, der Hersteller spricht von etwa 35 zusätzlichen Millimetern für die Fondpassagiere. Behält man stattdessen die Platzverhältnisse bei, könnte ein mit solchen „ComfortThin“ genannten Sitzen ausgestattetes Fahrzeug um ebendiese 35 Millimeter kürzer ausfallen. Das würde bei der Karosserie eines Autos des C-Segments etwa 4,5 kg sparen. So könnten Taschenfederkernmatratzen den Kraftstoffverbrauch senken helfen. Ebenfalls schön für die Umwelt: Solche Polsterungen können im Gegensatz zum Kunststoff anstandslos rückstandsfrei wiederverwertet werden.

Diese Vorteile brachten Johnson Controls nun die Auszeichnung „ÖkoGlobe“ in der Kategorie „Rohstoffe, Werkstoffe und Verfahrensoptimierung“. Über die Verleihung des internationalen Umweltpreises für die Mobilitätsindustrie freut sich Dr. Beda Bolzenius, President Johnson Controls Automotive Seating: „Wir sind sehr stolz auf die Auszeichnung mit dem ÖkoGlobe. Nachhaltige Mobilität ist eine der strategischen Top-Prioritäten von Johnson Controls. Wir arbeiten kontinuierlich an umweltfreundlichen Innovationen.“ Johnson Controls erwartet erste Serienanwendungen ab 2015. Potenzielle Kunden müssen aber noch überzeugt werden. (fpi)