OLED-Offensive aus Darmstadt
Der Darmstädter Chemieriese Merck will gemeinsam mit dem Tintendruckerspezialist Epson Drucktechniken und druckbares Material für große OLED-Displays entwickeln. Dafür schlossen beide Unternehmen eine Kooperations- und Lizenzvereinbarung.
Merck will gemeinsam mit Epson Drucktechniken für große OLED-Schirme entwickeln. Dafür haben die beiden Unternehmen jetzt in Tokio eine Kooperations- und Lizenzvereinbarung unterzeichnet. Mit der Mikro-Piezo-Inkjet-Technik von Epson hofft Merck, die organischen Materialien so auflösen zu können, dass sie sich im Tintendruckverfahren präzise – und kostengünstig – auf große Substrate aufbringen lassen. Das könnte die Produktion für große OLED-Fernseher erheblich vereinfachen und für deutlich niedrigere Preise sorgen.
Merck ist bereits seit geraumer Zeit im OLED-Geschäft aktiv. So betreibt das deutsche Unternehmen in Darmstadt eine eigene Anlage zur Entwicklung von organischem Material für OLED-Displays und -Leuchten. Im LCD-Bereich sind die Darmstädter einer der größten Produzenten von Flüssigkristallen weltweit: Merck beliefern von Deutschland aus fast alle großen LCD-Hersteller in Asien. Eine ähnliche Stellung will das Unternehmen künftig auch bei den organischen Displays einnehmen.
Durch den Deal mit Epson will sich Merck nun in eine gute Ausgangsposition bringen. "Mit unseren druckbaren OLED-Materialien lassen sich die Herstellungskosten deutlich senken", erklärte Mercks Geschäftsführer Karl-Ludwig Kley. "Der Inkjet-Druck großer OLED-Displays löst viele der Produktivitätsprobleme herkömmlicher Aufdampfverfahren", glaubt auch Epsons Europa-Präsident Minoru Usui.
Weil die organischen Materialien derzeit im Vakuum in mehreren Arbeitsschritten aufgebracht werden müssen, geht während der Produktion sehr viel Material verloren. Das wäre für Merck als Hersteller der organischen Substanz zwar durchaus vorteilhaft, denn dadurch benötigen die Displayhersteller viel mehr Material. Allerdings behindern die teuren Produktionsprozesse zugleich, dass sich große OLEDs am Markt etablieren und irgendwann den Flüssigkristalldisplays das Wasser abgrabe – beziehungsweise dass sie überhaupt in Massen produziert werden.
Samsung und LG wollen in diesem Jahr so gut wie keine großen OLED-Fernseher anbieten – die Produktion läuft einfach noch nicht rund. Die Marktforscher haben ihre Prognosen dementsprechend angepasst: Im TV-Bereich spielen die organischen Displays in diesem Jahr gar keine Rolle und auch in den kommenden fünf Jahren wird ihr Marktanteil voraussichtlich deutlich unter zehn Prozent bleiben. Da bleibt für Merck also noch ein bisschen Zeit für die anvisierte Marktführerschaft. (uk)