Karriere-Harakiri
Schon wieder ist ein Stammzellforscher der Versuchung erlegen, mit erfundenen Ergebnissen Ruhm zu ernten. Er ging dabei besonders dilettantisch vor.
- Veronika Szentpetery-Kessler
Schon wieder ist ein Stammzellforscher der Versuchung erlegen, mit erfundenen Ergebnissen Ruhm zu ernten. Er ging dabei besonders dilettantisch vor.
Was treibt Wissenschaftler um, die Ergebnisse erfinden? Denken sie wirklich, das kommt nie heraus? Häufig bleibt der Betrug ja nicht unerkannt, aber die meisten Forscher mit krimineller Energie stellen sich wenigstens so geschickt an, dass sie erst Jahre später entdeckt werden. Auch der südkoreanische Stammzell- und Klonierbetrüger Hwang Woo Suk etwa veröffentlichte seine Luftnummern immerhin und setzte darauf, dass sich die Kollegen einige Zeit mit der Reproduktion der Ergebnisse abmühen werden. In der Zwischenzeit brachte er es zum Volkshelden und wurde auf einer Briefmarke verewigt.
Hisashi Moriguchi von der Universität Tokio hatte offenbar nicht die nötige Geduld fürs sorgfältige Betrügen. Er wartete weder die Veröffentlichung der Ergebnisse über seine vermeintliche Heldentat ab, noch stellte er sie erst mal auf einer Konferenz vor. Stattdessen trat er, wie die Kollegen von Science und Laborwelt berichten, mit einer Vorabversion des Papers an eine heimische Tageszeitung heran, auf dass sie ihn groß herausbringe: Er habe Infarktpatienten Herzmuskelzellen transplantiert, die er aus ethisch unbedenklichen Stammzellen (induzierte pluripotente Stammzellen, iPS) erzeugt habe. Die Zeitung machte das Thema zur Titelstory, musste aber zwei Tage später zurückrudern. Denn die vermeintlichen Koautoren dementierten umgehend ihre Beteiligung und zweifelten zudem auch an, dass die Experimente überhaupt stattgefunden hatten.
Bei so viel Dilettantismus mag man schon fast schmunzeln, wäre da nicht ein fader Nachgeschmack. Denn obwohl Moriguchi auf kritische Reporterfragen eingestand, gelogen zu haben, zeigte er sich gleichzeitig auch uneinsichtig. Er beharrte darauf, eine entsprechende Operation durchgeführt zu haben, wollte jedoch nicht verraten, an welchem Krankenhaus und mit welchen Kollegen. Geholfen hat ihm das freilich nicht, Laborwelt zufolge wurde er inzwischen von seiner Universität entlassen. Diese hatte zuvor jahrelang nicht bemerkt, dass sich Moriguchi bei mehreren Veröffentlichung als Mitglied der fiktiven „Abteilung für die Erforschung und Anwendung von iPS-Zellen“ ausgegeben hatte. (vsz)