Leicht zugängliche "Kronjuwelen für Identitätsdiebe"

In den USA gibt es wenig Sorgfalt beim Umgang mit Social-Security-Nummern auf staatlichen Webseiten.

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Von
  • Thomas Pany

In den USA gibt es weder eine Melde-noch eine Personalausweispflicht. Das "Kronjuwel für Identitätsdiebe" ist dort die "social security number", die Sozialversicherungsnummer. Mithilfe von Social-Security-Nummern lassen sich einige betrügerische Manöver durchführen – wie nicht zuletzt auch die Attentäter der Anschläge vom 11. September 2001 gezeigt haben, denen es die Verwendung von gestohlenen Sozialversicherungsnummern ermöglichte, falsche Identitäten aufzubauen. Da sich über die Social-Security-Nummer unter Umständen auch andere detaillierte Informationen zu ihrem Besitzer ermitteln lassen, erlaubt die Nummer Identitätsdieben eine Reihe von Missbrauchsmöglichkeiten; man kann damit beispielsweise ein neues Bankonto unter falschen Namen eröffnen.

Wie aktuelle Recherchen der Washington Post ergaben, haben die verstärkten Sicherheitsgesetze seit 2001 zu keiner größeren Sicherheit geführt. Im Gegenteil sei es ziemlich einfach, an Sozialversicherungsnummern zu kommen, und das besonders über Webseiten, für die Regierungsbehörden verantwortlich sind.

Die Social-Security-Nummer sei an vielen Gerichten, besonders in Einträgen zu Grundbesitz und in Dokumenten zu Straf-oder Zivilsachen, wie auf anderen Regierungswebseiten, die öffentliche Dokumente zur Verfügung stellen, "leicht erhältlich", berichtet die Zeitung, die bei einem spontanen Check an Hunderte dieser Nummern über Dokumente aus unterschiedlichen Gerichtsverfahren kam – nur eine Teilmenge aus Hunderttausenden von Dokumenten, die vor dem Gesetz aus dem Jahre 2001 ausgearbeitet wurden, welches das Erscheinen von Social-Security-Nummern in öffentlichen Dokumenten verbietet, .

Doch fand die Zeitung leicht zugängliche Sozialversicherungsnummern auch bei Stichproben von mehreren Gerichtsdokumenten jüngeren Datums. Zudem sei man innerhalb einer Stunde online bei der Durchforstung von Grundbucheinträgen des Bundesstaates Maryland auf die Nummern von zwei Dutzend Landbesitzern gekommen.

Im vergangenen Frühjahr soll eine eigens vom Präsidenten eingesetzte Task-Force die Behörden noch zu einem sorgfältigeren Umgang mit der heiklen neunstelligen Ziffer angehalten haben. Doch, wie der Zeitungsbericht zeigt, war es Aktivisten, die für mehr Sicherheit mit solchen sensiblen Daten plädieren, möglich, die Social-Security-Nummern von politischen Prominenten zu ermitteln. Bekannte Trophäen der Watchdog-Aktivisten: die Sozialnummern des ehemaligen Außenministers Colin Powell und des Bruders des Präsidenten, Jeb Bush. (Thomas Pany) / (pem)