Anklage gegen Ex-Chef der japanischen Internetfirma Livedoor

Gegen die rasant gewachsene Internetfirma von Takafumi Horie, das "enfant terrible" der japanischen Unternehmerschaft, wird unter anderem wegen Kursmanipulation im Zusammenhang mit einer Firmenübernahme sowie Bilanzfälschung ermittelt.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Die japanische Staatsanwaltschaft hat gegen den Ex-Präsidenten der von einem Betrugsskandal erschütterten Internetfirma Livedoor offiziell Anklage erhoben. Wie die japanische Nachrichtenagentur Nikkei am heutigen Montag unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden berichtet, wurden neben dem 33-jährigen Takafumi Horie auch drei Ex-Manager unter anderem wegen Verdachts der Verbreitung falscher Finanzinformationen angeklagt.

Gegen Hories rasant gewachsene Internetfirma wird unter anderem wegen Kursmanipulation im Zusammenhang mit einer Firmenübernahme sowie Bilanzfälschung ermittelt: Die Anklage beschuldigt sie im Einzelnen der Verbreitung falscher Finanzinformationen bei der Übernahme eines Verlagshauses im Jahr 2004 sowie der Veröffentlichung zu positiver Finanzdaten für die Livedoor-Tochtergesellschaft Livedoor Marketing/ValueClick Japan. Außerdem sollen die Strafverfolger zusätzliche Haftbefehle gegen die Beschuldigten vorbereiten, die ihnen das künstliche Aufblähen der Gewinne der Muttergesellschaft vorwerfen.

Der Skandal hatte im vergangenen Monat zu vorübergehenden Panikverkäufen an der Börse geführt, woraufhin erstmals in der Geschichte der Börse der gesamte Handel wegen drohenden Zusammenbruchs des Computersystems abgebrochen werden musste. Mit der Anklage können die Ermittler die Beschuldigten weiter in Untersuchungshaft halten. Während Horie seit seiner Verhaftung am 23. Januar seine Unschuld beteuert, sollen seine drei Mitangeklagten weitgehend geständig sein, hieß es weiter. Sie hätten Horie auch der Beteiligung an den ihnen vorgeworfenen Delikten beschuldigt.

Für Ältere ist Horie der Inbegriff eines Casino-Kapitalismus, andere sehen ihn als einen Rebell gegen die überkommenen Konventionen der alten Japan AG. Das "enfant terrible" der japanischen Unternehmerschaft, das sich in der Öffentlichkeit lieber in T-Shirts als in Anzügen zeigt, hatte mit seinem provokanten Auftreten schon mehrfach für Aufsehen gesorgt. Seit 2000 hat der Abbrecher der Elite-Universität Tokio rund 20 Unternehmen gekauft, die im vergangenen Jahr umgerechnet rund 563 Millionen Euro Umsatz erzielten.

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