Telefonnummerndomains und ENUM: Und es bewegt sich doch

tElephone NUmber Mapping gilt als Brücke zwischen klassischer Telefonie und IP-Welt, weil es eine Adressierung von Anschlüssen übers IP-Netz zulässt. Obwohl von vielen als echtes Konvergenzkonzept begrüßt, hat sich ENUM bislang nur stockend entwickelt.

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Von
  • Monika Ermert

Cisco wird im kommenden Frühjahr eine neue Infrastrukturdatenbank für Telekommunikationsanbieter auf dem Markt bringen, die Telefondomaineinträge (ENUM-Einträge) für ein rein IP-basiertes Routing und als einfache Lösung für das Auffinden von portierten Nummern erlaubt. ENUM (tElephone NUmber Mapping) gilt seit Verabschiedung der Standards bei der Internet Engineering Task Force (IETF) als Brücke zwischen klassischer Telefonie und IP-Welt, weil es eine Adressierung von Anschlüssen übers IP-Netz zulässt; ENUM-Verzeichniseinträge verknüpfen Telefonnummern mit den Adressen verschiedener anderer Internet-Dienste. Ist ein Dienst nicht mehr erreichbar, sind sie wertlos. Unter Umständen kann ein falscher Eintrag sogar dazu führen, dass der Nutzer gar nicht mehr erreichbar ist – etwa wenn der VoIP-Anbieter des Anrufers das ENUM-Verzeichnis konsultiert, um die günstigste Verbindung zu finden.

Laut Hans Mathys, Consulting System Engineer bei Cisco, wird die geplante "Telecommunications Database" bis zu 15 verschiedene Nummerneinträge (klassische Telefonnummern, Internetadressen) für rund 200 Millionen Subscriber erlauben. Die Datenbank zielt, ebenso wie die Nachrüstung anderer Cisco-Produkte mit ENUM auf das sogenannte Infrastruktur-ENUM, also das Routing von Gesprächen durch den Provider. Die Datenbank schafft auch ein Interface zwischen verschiedenen sprach- und datenbasierten Diensten. Für das IP-Routing zwischen den Providern muss dagegen auf eine private Peering-Plattform oder das nach wie vor stiefmütterlich behandelte Public ENUM zugegriffen werden. Public ENUM, um das sich die IETF in den ersten Jahren vor allem gekümmert hat, zielt darauf, dass User selbst über einen ENUM-Provider ihre Rufnummer als Domain eintragen (im Stil von 3.2.1.5.5.0.9.4.e164.arpa).

Ciscos Datenbank ebenso wie die beim ENUM-Tag des DeNIC vorgestellten ENUM-Updates für das Softswitch BTS 10200 und mehrere Cisco-Router lassen auch Abfragen auf die Public-ENUM-Datenbank bei der DENIC zu. Hauptziel von ENUM ist es in jeden Fall, den Umweg von Gesprächen über das klassische PSTN (Public Switches Telephone Network, öffentliches Telefonnetz) zu vermeiden, wenn der Anruf vom IP-Netz kommt und auch dahin geht. Obwohl von vielen als echtes Konvergenzkonzept begrüßt, hat sich ENUM bislang nur stockend entwickelt.

Beim DeNIC sind aktuell knapp 7000 ENUM-Adressen registriert, wie der tagesaktuelle ENUM-Zähler zeigt. Nach immerhin fünf Jahren ist diese Zahl noch ziemlich bescheiden. Für den normalen Kunden fehlt es an ENUM-Diensten, etwa der Möglichkeit, Follow-Me oder Präsenzdienste einzukaufen. Andererseits hinkt der ENUM-Einsatz auch bei den Carriern in Europa ebenfalls etwas hinterher: "Die größten Anwendungen sehen wir bei Kabelanbietern in den USA, die damit das interne Routing zwischen ihren verschiedenen Softswitches über ENUM abwickeln", meint Mathys.

Dennoch ist er überzeugt, dass sich ENUM nach und nach durchsetzen wird. Möglicherweise habe man anfangs zu viel gemacht, als die Zeit noch nicht reif gewesen sei. So fehlt es, meint Mathys, an regulatorischen Anreizen, etwa durch günstigere Zusammenschaltungskosten im Vergleich zum klassischen Telefonnetz. Zwar hätten sich erste Regulierungsbehörden, etwa das Bakom in der Schweiz, schon mit dem Thema befasst, aber noch fehle es an neuen Regelungen. Zudem seien die öffentlichen VoIP-Inseln noch nicht groß genug gewesen, um echtes Interesse zu wecken. Das hätten auch die Hersteller an der entsprechend zögerlichen Nachfrage gemerkt. In den nächsten Jahren werde aber kein Weg an ENUM vorbeiführen, ist sich Mathys sicher.

Mit der allmählichen Migration von mehr und mehr Gesprächen ins IP-Netz steigt übrigens das Risiko, dass neben den beträchtlichen Kostenvorteilen auch die Kinderkrankheiten der IP-Welt auch in der Sprachwelt verbreitet werden. Gegen Spit (Spam via Internet-Telefonie) schlagen Forscher von der Universität Potsdam ein Reputationssystem und damit verbundener Bezahlung bei schlechtem Reputationswert vor. Erwünschte Anrufe von bekannten Anrufern sollen per Whitelist von dem Rating ausgenommen sein, Anrufer mit schlechtem Rating-Wert werden zur Kasse gebeten. Entscheiden soll der Kunde per Einstellung selbst darüber, was er zulassen will. Sensible Daten über den Anrufer soll der Kunde aber nicht bekommen, aus Datenschutzgründen. Sein Telefon soll nur den aktuellen Rating-Wert erhalten und dann jeweils Zustellung oder Bepreisung des Calls aushandeln. Das funktioniert allerdings nur, wenn die VoIP-Provider ein entsprechendes Empfehlungs- und auch Abrechnungssystem anbieten. "Bei P2P-Verbindungen funktioniert das so nicht", sagt Stefan Liske, Forscher an der Universtität Potsdam. Letztlich bedeutet das allerdings für alle Mehrkosten: für den Provider, der die Kosten beim Kunden zu holen versucht, und die Gesprächsteilnehmer. (Monika Ermert) / (jk)