Mini-Basisstation macht Handys smarter
Eine britische Firma hat die bislang kleinste Sende- und Empfangseinrichtung für GSM-Geräte vorgestellt.
- David Zax
Eine britische Firma hat die bislang kleinste Sende- und Empfangseinrichtung für GSM-Geräte vorgestellt.
Cambridge Consultants Limited hat eine kompakte Basisstation für Mobilfunknetze entwickelt, die in eine Handfläche passt. Das Sidewinder genannte System erlaubt die Anbindung von bis zu acht GSM-Handys und kann für verschiedene Anwendungen von der Telefonie bis hin zu Bezahldiensten genutzt werden.
Die Idee: Auch Nutzer mit älteren Geräten sollen bislang Smartphones und anderen UMTS-Geräten vorbehaltene Angebote nutzen können. Immerhin eine Milliarde dieser vergleichsweise "dummen" Mobilteile sind derzeit geschätzt weltweit noch im Betrieb.
Der Sidewinder kann in einen Modus geschaltet werden, in dem der Empfangsbereich nur noch bei einem Meter liegt. Dann lässt sich das Gerät beispielsweise als Ersatz für Near-Field-Communication-Chips (NFC) nutzen: Eine Anwendung auf der SIM-Karte des Kunden nimmt dabei direkten Kontakt mit der Basisstation des Händlers auf und wickelt Transaktionen ab. Ein Umweg über das weitere Mobilfunknetz ist nicht notwendig, was die Datensicherheit erhöht.
"Wir können erkennen, wenn sich solche älteren Handys in der Umgebung befinden und dann diverse Dienste sicher zu ihnen ausspielen", sagt Cambridge-Consultants-Manager Monty Barlow. "Wir haben hier ein ganzes GSM-Netzwerk auf nur einer Hauptplatine."
Die Basisstation kann aber auch reguläre Anrufe verwalten und durchleiten, in einer Demonstration ging das auch mit drei Gesprächen gleichzeitig. Die verfügbaren Funkstandards und Leistungsmerkmale werden dabei größtenteils mittels Software gesteuert – so könnte der Sidewinder mit einem Update beispielsweise auch zu einem UMTS-Modul werden, wenn Cambridge Consultants entsprechenden Code entwickelt hat.
Der verbaute Funkchip ist für Frequenzen zwischen 475 MHz und 4 GHz nutzbar und soll einen Großteil der Technik enthalten, die bislang in den üblicherweise schrankgroßen regulären Basisstationen steckt. Die Ausgangsleistung liegt allerdings nur bei maximal 6 Watt. In einer ersten Fassung der Software werden die Bänder um 850, 900, 1800 und 1900 MHz unterstützt, zusätzlich kann auch noch das UMTS-Band um 2,1 GHz verwendet werden.
In der Massenfertigung soll der Sidewinder nicht mehr als 200 US-Dollar an Materialkosten verursachen, einen Endpreis gab die Firma zunächst nicht an. Kleine Zellen, wie das Cambridge-Consultants-Gerät eine ist, werden schon länger verkauft – etwa, um die Mobilfunkabdeckung in Innenräumen zu verbessern. Diese Femtozellen funken allerdings mit deutlich weniger Leistung im Milliwattbereich und richten sich an Privatkunden.
Cambridge Consultants bietet eine auf den Basisstationen aufgespielte Linux-Umgebung, mit der sich eigene Anwendungen entwickeln lassen. Das System läuft mit einem ARM11-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 400 MHz. Es ist für den Dauerbetrieb ausgelegt. (bsc)