Optik- und Elektronikkonzern Carl Zeiss mit Rekordgewinn
Die größte Steigerungen verbuchten die Unternehmensbereiche Halbleitertechnik und Medizintechnik. Bei der Augenoptik-Tochter in Aalen sollen rund 300 Stellen abgebaut werden.
Der Optik- und Elektronikkonzern Carl Zeiss, Oberkochen (Ostalbkreis), will trotz Rekordgewinn und massiven Protesten der Belegschaft rund 300 Stellen am Standort Aalen abbauen. Die Zahl der Mitarbeiter der Augenoptik-Tochter Carl Zeiss Vision GmbH soll bis zum 30. September 2006 von bisher knapp 1300 auf 1030 reduziert werden, teilte der Vorsitzende des Konzernvorstandes, Dieter Kurz, am Dienstag in Frankfurt mit. Gegen die Pläne hatten am Montag rund 1000 Mitarbeiter von Carl Zeiss Vision in Aalen protestiert. Der Jahresüberschuss des Konzerns verdoppelte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/2005 (30. September) auf den "neuen Spitzenwert" von rund 151 Millionen Euro.
Der Betriebsrat hatte die im September begonnenen Verhandlungen über den Stellenabbau bei der Augenoptik-Tochter in der vergangenen Woche abgebrochen, weil die Geschäftsführung sich seiner Meinung nach nicht an einen beschlossenen Interessensausgleich gehalten hat. Danach darf die Stellenzahl durch Kündigungen nicht auf weniger als 1150 sinken. Laut Kurz stimme dies, allerdings habe man sich damals schon die Option offen gehalten, die Zahl der Stellen darüber hinaus sozialverträglich ohne Kündigungen zu kürzen, wenn dies notwendig sei.
Die Produktion einfacher Brillengläser soll nach Ungarn verlagert werden, um in diesem Bereich konkurrenzfähig zu bleiben, sagte Kurz. Hochwertige Gläser sollen aber weiterhin in Aalen hergestellt werden. Darüber hinaus soll ein Forschungs- und Entwicklungszentrum sowie die Hauptverwaltung des Unternehmens in Aalen bleiben. "Dafür wäre 1030 eine angepasste Mitarbeiterzahl", sagte Kurz. Der Konzern hält 50 Prozent an Carl Zeiss Vision.
Der Konzern erwirtschaftete 2004/2005 einen Umsatz von 2,22 Milliarden Euro und hat damit trotz der Ausgliederung der Augenoptik in die Carl Zeiss Vision GmbH zur Mitte des Jahres einen Zuwachs um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. Die größte Steigerungen verbuchten die Unternehmensbereiche Halbleitertechnik (plus 20 Prozent auf 673 Millionen Euro) und Medizintechnik (plus 12 Prozent auf 523 Millionen). Auf Grund der "sehr positiven" Entwicklung soll an den Eigentümer des Konzerns, der Carl Zeiss Stiftung, eine Dividende von 2,8 Millionen Euro ausgeschüttet werden.
Auch in den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres hält die gute Entwicklung nach Angaben von Kurz an. Der Umsatz nahm um vier Prozent zu und der Auftragseingang verbesserte sich um 21 Prozent. Die Hauptmärkte vor allem in Nordamerika und Asien entwickelten sich gut. Auf Grund der stetig hohen Nachfrage nach Halbleitertechniken, kündigte Kurz an, 150 neue Mitarbeiter in diesem Bereich an den Standorten in der Ostalb einzustellen. Stellen werde es vor allem im gewerblichen Bereich, aber auch in der Produktion sowie der Forschung und Entwicklung geben. (dpa) / (jk)