Internet-Angst: Stress wie beim Bungee-Springen

Der britische Telekommunikationsdienstleister BT hat ein Projekt gestartet, bei dem Probanden, die bislang keinen Kontakt zur Online-Welt hatten, auf ihren ersten Schritten beim Umgang mit dem neuen Medium betreut und beobachtet werden.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Offiziellen Angaben zufolge gibt es in 39 Prozent der Haushalte in Großbritannien derzeit keinen Internetzugang. Und die Zahl derer, die auch gar keinen Zugang haben wollen, ist hoch: Hatten im Jahr 2005 noch rund 50 Prozent der Befragten erklärt, auch in Zukunft auf Internet verzichten zu wollen, stieg dieser Wert im Jahr 2006 auf mehr als 70 Prozent. Der britische Telekommunikationsdienstleister BT will nun wissenschaftlich klären lassen, was die Gründe für eine Nichtteilnahme an der Internet-Welt sein können.

Dazu hat der Konzern das Projekt "Journey to Inclusion" ins Leben gerufen, in dessen Rahmen vier Personen, die bislang keinen oder nur sehr wenig Kontakt zur Online-Welt hatten, auf ihren ersten Schritten beim Umgang mit dem neuen Medium betreut und beobachtet werden. "Häufig spielt Angst vor dem Unbekannten eine Rolle", erklärt der Neuropsychologe David Lewis, der das Projekt wissenschaftlich betreut. Bei manchen Menschen sei der Stress-Level beim Erstkontakt mit dem Internet so hoch wie beim Bungee-Jumping.

Belegen kann Lewis dies unter anderem mit Elektroenzephalogrammen (EEGs) von Probanden, bei denen elektrische Zustandsänderungen des Gehirns abgeleitet werden. Ist die erste große Hemmschwelle einmal überwunden, sinkt der Erregungszustand häufig dramatisch. "Es wird interessant sein, heraus zu bekommen, ob wir den Testpersonen im Rahmen dieses zweimonatigen Projekts zu einem entspannten Umgang mit Computern und dem Internet verhelfen können", erklärt Lewis, "oder ob mehr getan werden muss."

Für die Studie erhielten die Testpersonen jeweils ein Notebook, breitbandigen Internetzugriff sowie eine Webcam und eine Digitalkamera. Mit letzteren beiden sollen die Probanden nach Möglichkeit ihre Erfahrungen auf der Reise in die Internet-Welt dokumentieren. Die entstandenen Bilder und Videos will BT später auf der Projekt-Website präsentieren. Ganz uneigennützig handelt der Konzern bei dem Projekt nicht: Die Ergebnisse dürften Grundlage für neue Werbekampagnen sein, mit denen BT die große Zahl der Internet-Abtrünnigen in Großbritannien für eigene Produkte gewinnen will. (pmz)