Siemens-Chef stellt von Pierers Umgang mit Schmiergeldskandal in Frage

"Beteuerungen des Nichtwissens oder der Uneigennützigkeit fehlgeleiteten Handelns sind zu kurz gegriffen und können so nicht akzeptiert werden", schreibt Siemens-Chef Löscher in einem Brief an Führungskräfte des Konzerns, berichtet das "Handelsblatt".

vorlesen Druckansicht 55 Kommentare lesen
Lesezeit: 1 Min.

Siemens-Vorstandschef Peter Löscher will hart gegen die Verantwortlichen des Schmiergeldskandals in den eigenen Reihen vorgehen. Laut einem Bericht des Handelsblatts hat er Anfang dieses Jahres in einem Schreiben an 700 Führungskräfte des Konzerns auch den Umgang des langjährigen Konzernchefs Heinrich von Pierer mit der Affäre in Frage gestellt. "Beteuerungen des Nichtwissens oder der Uneigennützigkeit fehlgeleiteten Handelns sind zu kurz gegriffen und können so nicht akzeptiert werden", schreibt Löscher in dem Brief, der der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt.

Unternehmenskreise deuten laut Handelsblatt in den Brief auch ein Signal der Entschlossenheit hinein, mit alten Geschäftspraktiken aufzuräumen und die Frage der Verantwortung bis hin zum langjährigen Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer zu stellen. Bei Siemens waren vor allem auch in der Zeit von Pierers als Vorstandschef nach neuesten Erkenntnissen 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden. Von Pierer, der im April von seinem Posten zurücktrat, hatte stets betont, nichts von den Vorgängen gewusst zu haben. Als Vorstandsvorsitzender sei man weit weg vom operativen Geschäft. In einem Konzern wie Siemens mit etwa neun Millionen Buchungsvorgängen am Tag seien Unregelmäßigkeiten nur schwer zu entdecken. (anw)