Weltweiter Servermarkt: Kaum Besserung in Sicht

Die Umsätze im weltweiten Servermarkt ließen auch im dritten Quartal 2012 nach. Auch wenn sich die beiden Analysten IDC und Gartner im Detail nicht ganz einig sind: Die Tendenz zeigt nach unten. Es gibt aber auch Gewinner: x86-Maschinen und Linux-Server.

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Von
  • Robert Höwelkröger

Nach den Schätzungen der Analysten von IDC ist das weltweite Absatzvolumen bei Servern auch im dritten Quartal 2012 rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug der Umsatz 12,2 Milliarden US-Dollar und lag damit 4 Prozent unter dem des dritten Quartals 2011 (12,6 Milliarden US-Dollar). Die Marktforscher begründen dies erneut damit, dass sich 2010 und 2011 der Servermarkt stark erneuert hat und die Unternehmen in viele neue Systeme investiert hatten. Zudem seien schlechte makroökonomische Bedingungen in vielen Ländern für die schwachen Zahlen verantwortlich. Aber auch technologische Übergänge spielen eine Rolle. Dennoch findet IDC einen Lichtschimmer am Horizont. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2012 stieg der Verkauf in Q3 wieder um 0,6 Prozent auf 2,1 Millionen Geräte an.

Die Analysten von Gartner, größter Konkurrent von IDC, präsentierten dagegen leicht abweichende Zahlen, auch wenn sie die Tendenz von IDC bestätigen. Demnach wuchs der Verkauf von Servern weltweit im dritten Quartal 2012 im Jahresvergleich um 3,6 Prozent. Der Umsatz brach laut Gartner um 2,8 Prozent ein.

IDC und Gartner weichen bei ihren Einschätzungen zum Kräfteverhältnis im weltweiten Server-Geschäft kaum voneinander ab.

Nach Umsatz liegt weiterhin IBM mit 3,502 Milliarden US-Dollar vorne, gefolgt von Hewlett Packard mit 3,339 Milliarden US-Dollar. Das entspricht jeweils einem Marktanteil von 28,7 beziehungsweise 27,3 Prozent. Während IBM jedoch 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verlor, musste HP sogar einen Rückgang der Erlöse um 11,9 Prozent hinnehmen. Als absoluter Gewinner geht laut IDC Dell aus dem Wettstreit hervor. Das Unternehmen setzte 2,086 Milliarden US-Dollar mit Servern um und steigerte seinen Erlös im Vergleich zum Vorjahr um 8,2 Prozent. Der Marktanteil betrug 17,1 Prozent. Auf den weiteren Plätzen folgen Oracle und Fujitsu, die aber erneut Verluste verzeichneten. Oracle setzte noch 599 Millionen US-Dollar um und somit 23,1 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum, Fujitsu büßte 22,2 Prozent ein und kommt noch auf 465 Millionen US-Dollar Erlös.

Firma Umsatz Q3/12 Marktanteil Q3/12 Umsatz Q3/11 Marktanteil Q3/11 Veränderung Q3/12 vs. Q3/11
IBM $3.502 28,70% $3.789 29,80% -7,60%
HP $3.339 27,30% $3.792 29,80% -11,90%
Dell $2.086 17,10% $1.929 15,20% 8,20%
Oracle $588 4,80% $764 6,00% -23,10%
Fujitsu $465 3,80% $598 4,70% -22,20%
Andere $2.238 18,30% $1.854 14,60% 20,70%
Total $12.219 100% $12.727 100% -4,00%
Quelle: IDC November 2012; Angaben in Millionen US-Dollar


Auch Gartner hat bei vier der fünf Top-Serveranbieter im dritten Quartal 2012 einen Umsatzrückgang verzeichnet. Lediglich bei Dell stellten die Marktforscher einen Zuwachs um 10,3 Prozent fest. IBM verlor demnach um 9,5 Prozent, HP um 12,4, Oracle um 22,5 und Fujitsu um 18,3 Prozent. IBM bleibt dennoch Marktführer mit einem Umsatz von knapp 3,5 Milliarden US-Dollar und einem Anteil am Gesamtmarkt von 27,6 Prozent. Trotz 8,4 Prozent weniger verkaufter Geräte bleibt HP bei den Server-Verkäufen mit einem Anteil von 25,8 Prozent an den Gesamtverkäufen an der Spitze. Gartner begründet die sinkenden Verkäufe mit der schwindenden Nachfrage nach HPs ProLiant- und Integrity-Maschinen. Dell und Cisco waren im dritten Quartal 2012 die einzigen beiden Hersteller die ihre Verkäufe mit Servern steigern konnten.

Firma Umsatz Q3/12 Marktanteil Q3/12 Umsatz Q3/11 Marktanteil Q3/11 Veränderung Q3/12 vs. Q3/11
IBM $3.479 27,60% $3.847 29,60% -9,50%
HP $3.331 26,40% $3.802 29,30% -12,40%
Dell $2.099 16,70% $1.903 14,70% 10,30%
Oracle $592 4,70% $764 5,90% -22,50%
Fujitsu $494 3,90% $605 4,70% -18,30%
Andere $2.611 20,70% $2.053 15,80% 27,20%
Total $12.607 100% $12.974 100% -2,80%
Quelle: Gartner November 2012; Angaben in Millionen US-Dollar

Bedingt durch die große Nachfrage nach Systemen für High Performance Computing (HPC) und Cloud-Infrastrukturen legten Linux-Server beim Umsatz zu und konnten im Vergleich zum Vorjahr 6,6 Prozent mehr erwirtschaften. Damit halten die Server mit einem Erlös von 2,1 Milliarden US-Dollar einen Anteil von 21,5 Prozent am Gesamtumsatz. Microsoft Windows-Server brachten es im dritten Quartal 2012 auf einen Anteil von 51,1 Prozent, verloren aber 0,9 Prozent an Umsatz und spielten 6,2 Milliarden US-Dollar ein. Am stärksten ließ die Nachfrage nach Unix-Servern nach. Mit diesen Produkten setzten die Hersteller 14,2 Prozent weniger um und kamen nur noch auf eine Summe von 2,1 Milliarden US-Dollar – was besonders IBM traf. Produkte, basierend auf RISC-, EPIC-, und CISC-Prozessoren 3,3 Milliarden US-Dollar Umsatz und damit um 17,1 Prozent weniger als im dritten Quartal 2011. Der Anteil am Gesamtumsatz lag bei 27 Prozent und somit auf dem tiefsten Stand, den IDC jemals festgestellt hat.

Server mit x86-Prozessoren konnten auch im dritten Quartal 2012 weitere Marktanteile hinzugewinnen. Dazu stiegen auch die Produktpreise zum dreizehnten Mal in Folge weiter an. Der Umsatz mit diesen Maschinen stieg um 2 Prozent auf 8,9 Milliarden US-Dollar. Hierbei führt HP mit einem Anteil von 32 Prozent, wobei das Unternehmen auch in dieser Sparte 8,7 Prozent weniger umsetzte als im Vorjahr. Dell konnte den zweiten Platz mit einem Umsatzanteil von 23,4 Prozent halten, wobei der Hersteller seinen Anteil um 1,3 Prozent steigern konnte. IBM folgt auf Platz drei mit einem Umsatzanteil von 16,5 Prozent und somit 4,7 Prozent weniger als dritten Quartal 2011. Auch nach Meinung der Marktforscher von Gartner haben vor allem die Maschinen mit x86 Prozessoren den größten Anteil am Verkauf, von denen 4,3 Prozent mehr abgesetzt wurden – das entspricht einem Umsatzanstieg um 4 Prozent. Die Verkäufe von Servern, die auf RISC/Itanium (Unix) basieren, gingen dagegen um 31,1 Prozent zurück, was 16,4 Prozent weniger Umsatz mit diesen Maschinen bedeutet. Andere Server-Kategorien verloren 17 Prozent an Umsatz. (roh)