Gilbert & George stellen Kunstwerk kostenlos ins Internet
Das bekannte britische Künstlerpaar bietet erstmals eine ihrer digital überarbeiteten Fotocollagen für 48 Stunden zum Download an.
- Florian Rötzer
Gilbert & George gehören zu den bekanntesten, wenn auch umstrittensten Künstlern Großbritanniens. Ihre Werke erzielen dementsprechend hohe Preise, auch wenn das Künstlerpaar den Höhepunkt ihrer Karriere bereits überschritten hat. Um 22 Uhr 35 sendet BBC one einen Film mit dem Titel "No Surrender" über das skurrile Künstlerpaar. Nach dessen Ende, um 23 Uhr 30, gibt es bei der BBC und bei der britischen Tagenszeitung Guardian wohl erstmals die Möglichkeit für Internetnutzer, 48 Stunden lang ein "exklusives" (digitales) Original von Künstlern dieser Bekanntheit kostenlos herunterzuladen. Ob man dann allerdings mit dem endlos reproduzierbaren digitalen "Original", wie der Guardian wirbt, einen "Nationalschatz" besitzt, ist allerdings eher zu bezweifeln.
"Planed", so der Titel des Bildes, besteht wie die meisten Fotoarbeiten von Gilbert & George aus neun Einzelbildern, die einzeln heruntergeladen und dann zusammengebaut werden müssen. Das Endbild kann beliebig oft und in jeder Größe ausgedruckt werden. Natürlich sind auf den Bildern auch die – anständig bekleideten – Künstler selbst zu sehen. Schon seit vielen Jahren überarbeiten die Künstler digital ihre Fotografien. Daher habe es den beiden sofort gefallen, als Alan Yentob von der BBC den Vorschlag machte, eine Arbeit von ihnen im Internet zum kostenlosen Download anzubieten. Sie seien ganz "enthusiastisch" gewesen, meint Yentob, zudem passe das kostenlose Anbieten eines Kunstwerks perfekt zu dem Ideal der "Kunst für Alle", das Gilbert & George seit Ende der Sechzigerjahre propagiert haben.
Das Künstlerpaar hat sich seit Jahrzehnten als "lebendes Kunstwerk", meist in teuren Maßanzügen, aber auch schon nackt, mit "lebenden Skulpturen", Filmen oder großen Fotocollagen selbst inszeniert und schätzt durchaus die Provokation, beispielsweise wenn sie mit Fäkalien oder Sperma arbeiteten. "Wir träumen", sagen sie in einem ihrer Texte, "den Blick auf natürliche Dinge zu verändern, denen wir mit verklemmten, krank machenden Gefühlen begegnen." In der Londoner Galerie Tate Modern ging gerade eine Retrospektive mit ihren Arbeiten aus 40 Jahren zu Ende, die nach den Anfängen der homoerotischen Selbstinszenierung in den letzten Jahren mehr und mehr politische Aussagen wie in "Terror and Bombs" (2006) enthielten oder gegen die Religion polemisierten. (fr)