CNET wehrt sich gegen Übernahme durch Hedge-Fonds-Konsortium
Ein milliardenschweres Investoren-Konsortium hat sich bereits 21 Prozent der CNET-Anteile gesichert und fordert auf dieser Grundlage Änderungen der Firmensatzung. Das renommierte Internet-Medienunternehmen will diese aber nicht umsetzen.
Der börsennotierte US-amerikanische Medienkonzern CNET Networks Inc., zu dem unter anderem die IT-Portale CNet und ZDNet, die Gaming-Plattform Gamespot, die Meta-Suchmaschine search.com und das Musik-Portal MP3.com gehören, sieht sich einem konzertierten Übernahmeangriff durch eine Gruppe von Finanzinvestoren ausgesetzt. Das vom US-Hedge-Fonds JANA Partners angeführte Konsortium hat sich eigenen Angaben zufolge bereits 21 Prozent der CNET-Anteile gesichert und fordert auf dieser Grundlage Änderungen der Firmensatzung.
CNET wurde schriftlich aufgefordert, zwei Manager des amtierenden achtköpfigen CNET-Aufsichtsrats durch Vertreter des Investoren-Konsortiums zu ersetzen. In einem weiteren Schritt soll das Board of Directors dann um fünf zusätzliche Mitglieder aus den eigenen Reihen auf insgesamt 13 erweitert werden – womit sich die Übernahmeaspiranten die Kontrolle über die strategischen Entscheidungen im Unternehmen gesichert hätten. Vor dem Hintergrund, dass die CNET-Aktie in den vergangenen Jahren entgegen dem Trend deutlich an Boden verloren hat, setzen die Finanzinvestoren vor allem auf unzufriedene Anteilseigner.
Das 1992 gegründete Unternehmen mit Sitz in San Francisco setzte im Geschäftsjahr 2006 mit rund 2.600 Mitarbeitern 387,4 Millionen US-Dollar um (plus 15 Prozent gegenüber 2005), erwirtschaftete aber lediglich einen Nettogewinn von 6,8 Millionen US-Dollar. Die Netzangebote von CNET verzeichneten gegen Ende des Jahres etwa 136 Millionen Besucher pro Monat, 17 Prozent mehr als im Jahr 2005 (PDF-Datei). Die Marktforscher von comScore Media Metrix führten CNET Networks als weltweit neuntgrößtes Internet-Medienunternehmen.
Nicht mithalten mit der Umsatz- und Nutzerentwicklung konnte jedoch der Aktienkurs: Während der Interactive Week Internet Index (IIX), in dem die Aktien von Firmen gelistet sind, die Internet-Produkte anbieten, in den vergangenen drei Jahren um 32 Prozent zulegte, sackte der Kurs der CNET-Aktie im gleichen Zeitraum um 19 Prozent ab. Analysten machen für den Rückgang insbesondere CNETs ebenfalls gegenläufige Entwicklung bei der Generierung von Werbeeinnahmen verantwortlich: Während das Gesamtvolumen im IT-Werbemarkt von Quartal zu Quartal im zweistelligen Prozentbereich wächst, wird für CNET im Jahr 2007 ein Minus von drei bis vier Prozent erwartet.
CNET-Chef Neil Ashe kündigte unterdessen an, dass man die von der Investorengruppe geforderten Änderungen der Firmenstatuten nicht umsetzen werde. Es widerspreche den Interessen der Anteilseigner, wenn Investoren, die erst seit kurzer Zeit Anteile an einem Unternehmen halten, versuchen, die Kontrolle über den Aufsichtsrat zu erlangen. Ashe kann sich dabei unter anderem auf einen Passus in der Firmensatzung stützen, wonach Anteilseigner nur dann Satzungsänderungen vorschlagen können, wenn sie CNET-Anteile im Wert von mindestens 1000 US-Dollar halten und die Anteile mindestens ein Jahr in ihrem Besitz sind. Keiner der neuen Investoren erfüllt jedoch diese Voraussetzung.
CNET weist zudem darauf hin, dass es sich bei den von den Neuinvestoren gehaltenen Anteilen zum großen Teil um stimmrechtslose Optionen und Derivate handele. Unternehmenschef Ashe appelliert in einer offiziellen Erklärung, dem im vergangenen Jahr eingesetzten neuen Management Vertrauen zu schenken. Das Unternehmen habe neue, starke Leute ins Boot geholt, fokussiere sich nun wieder auf die Kernmarken und habe schwache Geschäftsbereiche abgestoßen. Ob die Durchhalteparolen auf offene Ohren bei den Aktionären treffen, bleibt abzuwarten. Das milliardenschwere Konsortium wird sich von den Plänen zur Übernahme eines der renommiertesten Internet-Medienunternehmen jedenfalls so schnell nicht abbringen lassen. (pmz)