ICANN stellt Zusammenarbeit mit F-Rootserver-Betreiber auf formale Grundlage

Joao Damas vom ISC, das mit ICANN einen Vertrag zur Regelung ihrer Rechten und Pflichten abgeschlossen hat, rechnet nicht damit, dass es einen einzigen Vertragstext zwischen der Nummernverwaltung und allen Rootserver-Betreibern geben könne.

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Von
  • Monika Ermert

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat zum ersten Mal einen Vertrag mit dem Betreiber eines der 13 zentralen Rootserver geschlossen. Veröffentlicht wurde der Vertrag mit der BIND-Schmiede Internet Software Consortium (ISC), die seit 1994 den F-Rootserver betreibt, bislang nicht. Joao Damas vom ISC teilte auf Anfrage von heise online mit, er rechne nicht damit, dass es einen einzigen Vertragstext zwischen ICANN und allen Rootserver-Betreibern geben könne. "Ich denke, dazu sind die Unterschiede hinsichtlich der Gepflogenheiten und der jeweils bei den Betreibern engagierten Interessengruppen zu groß. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass die Verträge recht ähnlich sein könnten."

Vertragliche Regelungen zwischen ICANN und der disparaten Truppe der Rootserverbetreiber wurden der privaten Netzverwaltung praktisch bei ihrer Gründung 1998 als Hausaufgabe mit auf den Weg gegeben, die vor einer endgültigen Privatisierung erledigt werden muss. Die lockere Zusammenarbeit der Rootbetreiber – bis nach dem Tod von Internet-Übervater Jon Postel verlief diese fast völlig virtuell – erschien angesichts der Kommerzialisierung von Netz und der angestrebten Privatisierung wohl anachronistisch. Trotzdem hat es fast zehn Jahre gedauert, bis ICANN den ersten Vertrag abschließen konnte. Es ist gut möglich, dass für weitere Verträge, insbesondere mit den nicht-US-Betreibern, noch etwas mehr Zeit benötigt wird. Eine Anfrage von heise online bei einem RIPE-Vordenker blieb zunächst einmal ohne Reaktion.

Der ICANN-ISC-Vertrag stelle das Verhältnis der beiden Organisationen lediglich auf eine formalere Grundlage, teilt Damas mit. "Aus unserer Sicht bleiben alle Dinge wie sie sind, da wir damit wie gehabt unterstreichen, dass wir uns verpflichten, den F-Rootserver zum Wohl des Internets zu betreiben", erläutert Damas. ISC sage damit zu, die jeweils aktuellste Version der Rootzone zu veröffentlichen und mit ICANN zusammen die notwendigen Koordinationsaufgaben zu erfüllen. ICANN verpflichte sich auf der anderen Seite, die Daten für die Rootzone zur Verfügung zu stellen, die über einen Masterserver von VeriSign jeweils neu eingestellt werden. "Wir sehen den Vertrag eher als explizite Liste der jeweiligen Verantwortlichkeiten denn als Mechanismus, irgendjemanden für etwas zu beschuldigen", schreibt Damas auf die Frage nach Sanktionsmöglichkeiten, die sich aus dem Vertrag ergeben könnten.

Zu den Betreibern der Rootserver gehören neben ISC US-Firmen wie VeriSign und Cogent, das US-Verteidigungsministerium und die NASA sowie US-amerikanische Universitäten. Nur drei der Betreiber unterliegen nicht US-Gesetzen. Dies sind Autonomica, Tochterorganisation der Netnod, der Betreiberin des schwedischen Internet Austauschknotens, außerdem das japanische WIDE-Projekt und Europas IP-Adressverwaltung Réseaux IP Européen (RIPE). Die starke Konzentration der ursprünglichen Rootserver gab immer wieder Anlass zur Kritik außerhalb der USA.

Andererseits wurde die Diversität der Gruppe und faktische Unabhängigkeit, mindestens der privaten Betreiber, von jeher als Garant gegen eine zwangsweise "Gleichschaltung" der Betreiber durch eine einzelne Regierung betrachtet. Mit dem Anycast-Konzept, das praktisch Spiegel der Rootserver in über 100 Rechenzentren rund um den Globus möglich machte, wurde zusätzlich für eine bessere regionale Verteilung gesorgt. (Monika Ermert) / (anw)