Heimatschutz zur Luft, See und auf dem Land
Auch Unternehmen müssen auf Bedrohungslagen reagieren. Auf dem 7. Hamburger Sicherheitstag wurde der Aspekt der Homeland Security in den Vordergrund gestellt. Aber auch das Aufdecken von Betrügereien bei eBay beschäftigte die Sicherheitsexperten.
- Detlef Borchers
Der 7. Hamburger Sicherheitstag widmete sich der Frage, wie Unternehmen auf Bedrohungslagen reagieren sollen. Unter dem Titel "Innovative Sicherheitslösungen für Produktion und Transport" wurde der Aspekt der Homeland Security in den meisten Referaten in den Vordergrund gestellt.
Nach der Eröffnung des Sicherheitstages durch den Hamburger Innensenator Udo Nagel begann der Reigen der Industriereferate mit der Sicherheit in der Produktion. Etwas überraschend widmete sich Jörg Kieneke von der Hamburger Beiersdorf AG sich nicht den Chemikalien oder Produktionsprozessen der Cremes und Schönheitswässerchen, sondern der Frage, wie der Konzern Betrügereien auf eBay aufdeckt. Beiersdorff speichert dabei automatisch alle Auktionen, in denen Produkte des Hauses auftauchen und wertet diese Mitschnitte mit i2 aus. Bei verdächtigen Auktionen bietet man mit, um das Beziehungsgeflecht der Betrüger aufzudecken, die mit zahlreichen Tarnadressen und Kontoverbindungen arbeiten. Auf diese Weise wurden Mitarbeiter im Regionalvertrieb oder auch Arbeiter in einem Entsorgungswerk enttarnt, die Fehlchargen nicht vernichten, sondern auktionieren. Besonders ärgerlich waren Kieneke zufolge untreue Logistik-Dienstleister, die neue Artikel noch vor der Markteinführung verkauften und damit einen großen Schaden produzierten. Ärgerlich sei aber auch, dass Ermittlungsbehörden nicht verstünden, dass bei kurzfristigen Auktionen immer "Gefahr im Verzug" bestehe und schnell gehandelt werden müsse.
Manfred Selinger, Sicherheitschef bei TNT Express, erklärte, wie sich in der Logistik eines Expresskuriers der TAPA-Standard (Transport Asset Protection Association) als besonders nützlich erwiesen hat. Er schreibt unter anderem die Einzäunung oder die Videoüberwachung von Gebäuden und Verladezonen fest, die Selinger zuvor vergeblich von seinen Vorgesetzten gefordert hatte. Als Vorstandsmitglied der europäischen TAPA-Vereinigung warb Jürgen Kempf, Sicherheitschef der Firma Tech Data, für die Standards, die sich nach der Operation GRAFTON in Europa etablieren können. Ganz nebenbei gab er einen Einblick in das Geschäft, Computer, Drucker und LCD-Schirme zu Großmärkten und Computerhändlern zu transportieren. Täglich sind Waren im Wert von 9 Millionen Euro unterwegs, im Jahr werden 225.000 Paletten mit Computertechnik bewegt. Dabei setzt Tech Data mit Zustimmung des Betriebsrates auf eine umfassende Videotechnik. Bis zu 30 Videokameras filmen in den Lagern von Tech Data die Palettierung und Bereitstellung für die Transportunternehmen. Alle Bilder werden nach Palettennummer und Auftragsnummer in einer Datenbank gespeichert, um bei einer Verlustanzeige minutengenau mit der erwähnten i2-Software den Weg einer Palette verfolgen zu können. Dass damit Verluste nicht völlig auszuschalten sind, liegt Kempf zufolge an den immer brutaler werdenden Überfällen auf die LKW-Transporter.
Sehr allgemein berichtete Dieter Baierle von Railion Deutschland über den Schutz vor Anschlägen auf Eisenbahnen, Trassen und Hochspannungsleitungen. Als besonders wichtig nannte er die Ordnungspartnerschaft mit der Polizei, die dazu geführt hat, dass neben den 2800 Einsatzkräften der Bahnpolizei 6000 Beamte der Bundespolizei eingesetzt werden. Dass an den Servicepoints der Deutschen Bahn zunehmend Bundespolizisten eingesetzt werden, habe entscheidend zur Steigerung des Sicherheitsgefühls beigetragen. Unter Verweis auf die Entdeckung der Kofferbomber will die Bahn weitere 5 Millionen Euro in Überwachungskameras investieren.
Henner Meyer von Hapag Lloyd beschäftigte sich damit, wie es nach der erfolgreichen Durchführung des Projektes "SOLAS geht an Land" (Umsetzung des ISPS-Codes durch die Hamburger Sicherheitskommission) weitergeht. Wichtig ist seiner Ansicht nach der Ausbau des Containers als "Safety Device" mit RFID-Siegeln und RFID-Sendern sowie mit GPS-Empfängern auf LKWs und Zügen, die sofort Alarm schlagen, wenn sich jemand am Container zu schaffen macht. Dass all diese Anstrengungen leicht ins Leere laufen können, verdeutlichte Jürgen Bohne von Airport go ahead am Beispiel der Luftfracht und der Rechtsfigur des "bekannten Versenders". Es sei ein Trauerspiel in mehreren Akten, wenn Sicherheitsfirmen in aller Welt Konzepte entwickeln, dass nichts geklaut wird, aber kaum Maßnahmen für den Fall parat haben, dass etwas illegal hinzugefügt wird. In diesem Sinne ist für Bohne nicht nur die Abwicklung der Luftfracht, sondern auch die Arbeit mit Containern vor ihrer Verplombung die Achillesferse der bisher entwickelten Antiterror-Maßnahmen. (Detlef Borchers) / (jk)