Sunrise setzt auf Politik im Streit ums Schweizer Festnetz
Der ehemalige Schweizer Monopolist Swisscom mĂĽsse Telefonnetz und -dienste aufsplitten, fordert Konkurrent Sunrise. Der Bund solle die Mehrheitsanteile an Swisscom nutzen, um mehr Wettbewerb durchzusetzen.
Nach erfolgreichen Klagen gegen zu hohe NetzgebĂĽhren auf der letzten Meile setzt Sunrise nun auf die Politik, um eine Auslagerung der Festnetzinfrastruktur aus der Swisscom in eine separate Einheit oder Tochtergesellschaft zu erreichen. Diese soll das Netz unterhalten, ausbauen und allen Marktteilnehmern zu gleichen Bedingungen zur VerfĂĽgung stellen. Der von Swisscom behauptete Infrastrukturwettbewerb sei bislang eine "Illusion". Daraus resultierende hohe Preise sollten der Politik "zu denken geben", so Sunrise-CEO Christoph Brand in der Schweizer Handelszeitung.
Swisscom-CEO Carsten Schloter hält Sunrise dagegen vor, man wolle mit dieser "Enteignung" eigene Investitionen vermeiden. Die Position der Sunrise-Manager sei außerdem nicht glaubwürdig. Sie hätten früher eine ganz andere Meinung vertreten, wenn es um die Aufsplittung ging. Der hier gemeinte Chef von Sunrise und der Chef des dänischen Mutterkonzerns TDC, Jens Alder, waren früher führende Swisscom-Manager.
Durch Sunrises verstärkte Suche nach Unterstützung in der Legislative im Kampf um die Schweizer Telefonkunden soll erreicht werden, dass der Bund sein Mehrheitspaket am ehemaligen Monopolisten Swisscom einsetzt, um dem Schweizer Kommunikationsriesen die funktionale Trennung von Netz und Diensten vorzugeben. Wahrscheinlicher ist jedoch laut Handelszeitung der Weg über das Parlament. Demnach könnte noch vor Mitte 2008, wenn Finanzminister Hans-Rudolf Merz einen Bericht zum künftigen Eignerverhältnis des Bundes an der Swisscom im Parlament vorstellen will, in der anschließenden Debatte auch die Trennung von Netz und Diensten zum Thema werden. (flo)