US-Justizministerium prüft Internet-Pläne der Musikkonzerne
Die Regierung interessiert sich laut "Wall Street Journal" vermutlich in ihrer Rolle als Wettbewerbshüter für den geplanten Dienst "Total Music".
Die Pläne der großen Musikkonzerne für einen eigenen Internet-Vertrieb sind laut einem Zeitungsbericht ins Visier des US-Justizministeriums geraten. Marktführer Universal Music und die Nummer zwei der Branche Sony BMG hätten Anfragen zu dem Projekt erhalten, berichtete das Wall Street Journal heute unter Berufung auf informierte Personen. Die Unternehmen und die US-Justizbehörde hätten keine Stellung genommen. Die anderen beiden großen Musikanbieter Warner und EMI hätten keine Anfragen erhalten.
Nach bisherigen Informationen befindet sich das Projekt "Total Music" erst in einem frühen Planungsstadium. Es sehe den Aufbau eines Musikvertriebs über das Internet oder Mobilfunknetze mit einem Flatrate-Preismodell vor, hieß es. Dazu solle es auch einen passenden Musikplayer geben. Der Dienst würde damit die Kombination von Abspielgerät, Software und Vertrieb kopieren, mit der der Marktführer Apple mit seinem iTunes Store erfolgreich ist. Die Musikindustrie soll schon seit langem mit der Dominanz von Apple im Online-Musikgeschäft unzufrieden sein, unter anderem weil sie gerne flexiblere Preismodelle mit mehr Spielraum auch nach oben durchsetzen möchte.
Derzeit ist laut Wall Street Journal unklar, woran sich das Justizministerium, das in den USA auch als ein Wettbewerbshüter auftritt, stören könnte. Vermutlich erregt die Möglichkeit Aufsehen, dass große Konkurrenten ihre Preise absprechen könnten. Dieser Vorwurf stand bereits im Frühjahr 2006 im Raum.
Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern wird bereits der Download-Dienst des Online-Einzelhändlers Amazon zum derzeit stärksten iTunes-Konkurrenten aufgebaut. Amazon kann seine Musik ohne Kopierschutz und zum Teil zu günstigeren Konditionen als Apple verkaufen. iTunes hat beim Online-Musikverkauf einen Marktanteil von bis zu 80 Prozent. (anw)