OpenID holt Microsoft in den Vorstand
Ab sofort sitzen fünf große Unternehmen im Vorstand des OpenID-Gremiums, darunter auch Microsoft. Die Organisation kümmert sich um den offenen Standard OpenID zur Identifizierung und Authentifizierung von Anwendern im Web.
Die OpenID Foundation erweitert ihren Vorstand um fünf einflussreiche Unternehmen. Google, IBM, Microsoft, VeriSign und Yahoo gehören ab sofort mit zum Gremium, das sich um den offenen Standard OpenID zur Identifizierung und Authentifizierung von Anwendern im Web kümmert. Diese Unternehmen unterstützen OpenID schon auf breiter Basis und diverse Bibliotheken stehen für Eigenentwicklungen bereit. Für einige Blogsysteme gibt es eigene Plug-ins. Auch Sun gehört zu den Befürwortern von OpenID.
Der kürzlich verabschiedete Standard OpenID 2.0 ist einer von vielen Ansätzen für Identitätsmanagement im Web. Damit soll für Anwender die Notwendigkeit entfallen, sich für jede Website, die eine Registrierung verlangt, separat mit Benutzername und Kennwort anzumelden. OpenID ist ein dezentraler Dienst, bei dem es dem Nutzer freisteht, welche OpenID-Provider er nutzt. Das kann etwa ein Blogsystem wie Googles Blogger oder ein offizieller Dienst sein, zum Beispiel der von Verisign.
OpenID hat sich mit dem offenen Standard die Kontrolle der Nutzer über die Daten auf die Fahnen geschrieben. Von Microsoft kann man das in der Vergangenheit nicht unbedingt behaupten. Bereits 1999 hatte das Unternehmen seinen Anmelde- und Bezahldienst Passport vorgestellt, aus dem später die Windows LiveID wurde. Microsofts Bemühungen um Identitätsmanagement war immer wieder in die Kritik geraten, weil die erforderlichen vertraulichen Kundendaten von Microsoft zentral verwaltet wurden. Zudem gab es mehrere Sicherheitsprobleme, sodass Microsoft sich gegenüber der Federal Trade Commission (FTC) sogar zu verbesserten Datenschutzmaßnahmen verpflichten musste. Letztlich war der Ruf von Passport so beschädigt, dass kaum noch ein Web-Shop oder Dienstleister darauf zurückgriff.
Wie es mit LiveID weitergeht, wenn Microsoft OpenID unterstützt, wird deshalb interessant zu beobachten sein. Yahoo macht's vor, wie das eigene Authentifizierungssystem mit Yahoo-ID ohne Offenlegung des Systems auf OpenID umgestellt werden kann: Mit einer OpenID eines anderen Dienstes misslingt der Zugriff auf Yahoo, obwohl das Unternehmen OpenID-Provider ist. Ähnliches könnte sich mit Windows Live ID und OpenID wiederholen. Die Online-Communities sind denn auch alles andere als begeistert vom Einstieg des Konzerns und befürchten ein Aushöhlen des OpenID-Standards. (jr)