Verkehrsüberwachung mit Mobiltelefonen
Ein Feldversuch mit 100 Autos und ebenso vielen Handys hat gezeigt, wie das Verkehrsaufkommen mit Hilfe von Mobilfunk erfasst und ausgewertet werden kann. Mit dabei: Nokia, Caltrans, Berkeley und CCIT.
In einem großangelegten Feldversuch in Kalifornien haben rund hundert Studenten der Universität von Berkeley getestet, wie mit Handys der Autoverkehr kontrolliert werden kann. Die Fahrer waren mit einem Nokia N95 ausgestattet, das einen GPS-Chip für die Ortsbestimmung enthält. In Abständen von drei Sekunden übermittelten die Mobiltelefone die per GPS-Ortsbestimmung gemessene Geschwindigkeit und den Ort an die Leitzentrale.
Das Experiment fand den ganzen Freitag lang auf einem 17 km langen Straßenabschnitt zwischen Hayward und Fremont statt. Für den Realitäts-Check des Experiments sorgten Kameras am Anfang und Ende des Teilstücks. Indem sie nicht nur die hundert mit Nokia N95 ausgerüseten Fahrzeuge aufnahmen, sondern den kompletten Verkehr, konnte die tatsächliche Fahrzeit von allen Autos über eine zweite Quelle erfasst werden.
Den Feldversuch hat das California Center for Innovative Transportation (CCIT) durchgeführt, mit Unterstützung von Nokia, Caltrans, und Berkeley Department of Civil and Environmental Engineering. Die Mobiltelefone waren mit einer speziellen GPS-Software ausgestattet, die von Nokias Forschungsabteilung in Palo Alto entwickelt wurde.
Solange das Verkehrsaufkommen weiter rasant zunimmt, werden Verkehrsüberwachung und -steuerung immer wichtiger, um den Kollaps auf den Straßen zu verhindern. Das Berkeley-Experiment kann in diesem Zusammenhang ein Schritt in die Zukunft sein. Doch mit Servern, die ständig Daten von personalisierten Mobiletelefonen sammeln, kommt sofort die Frage nach Anonymität und Datenmißbrauch auf. Nokia und beteiligte Forscher können allerdings nur beteuern, dass alle personenrelevanten Daten vor der Speicherung gelöscht werden. Mit anderen Worten: Der Fahrer gibt teilweise die Kontrolle über seine Daten ab. Nokia will im nächsten Schritt den Feldversuch auf 100 Fahrzeuge und über einen längeren Zeitraum ausbauen. (jr)