EU fordert "intelligente Fahrzeuge"
Nach Ansicht der EU-Kommission gehen 93 Prozent aller Verkehrsunfälle auf menschliches Fehlverhalten zurück. Abhilfe sollen neue Systeme schaffen, die übermüdete Fahrer warnen oder bei Unfällen automatisch die Rettung alarmieren.
Die Europäische Kommission stellt heute ihre Initiative "Intelligentes Fahrzeug" vor. Oberstes Ziel ist, bis 2010 die Zahl der Verkehrstoten im EU-Raum von derzeit jährlich rund 40.000 zu halbieren. Rund 1,4 Millionen Verkehrsunfälle im Jahr verursachen zudem Kosten von rund 200 Milliarden Euro – entsprechend zwei Prozent des Brutto-Inlandsprodukts der Europäischen Union. Nach Ansicht der EU-Kommission gehen derzeit 93 Prozent aller Verkehrsunfälle auf menschliches Fehlverhalten zurück. Demnach könnten Systeme, die übermüdete Fahrer warnen, allein 30 Prozent der Unfälle auf Autobahnen beziehungsweise neun Prozent aller Verkehrsunfälle verhindern. Technologien zur Vermeidung von Auffahrunfällen könnten EU-weit 4000 Karambolagen im Jahr vermeiden.
"Intelligente Systeme" im Auto könnten darüber hinaus nicht nur Leben retten, indem sie nach einem Crash automatisch die Rettungsdienste rufen, sondern zugleich für elektronische Verkehrssteuerungssysteme oder zur Optimierung der Motorleistung eingesetzt werden. Nach Ansicht der Kommission sind bis zu 50 Prozent des Kraftstoffverbrauchs Folgen von Staus oder unangepasster Fahrweise. Über die Föderung neuer Technologien hinaus will die Kommission die Einführung etablierter Kfz-Sicherheitssysteme forcieren. Auch mehr als 20 Jahre nach Einführung des Antiblockiersystems ABS gebe es noch immer Fahrzeuge, die nicht über ABS verfügten. Zehn Jahre, nachdem die ersten Autos mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP angeboten worden seien, betrage die Marktdurchdringung von ESP gerade 40 Prozent.
Intelligente Kraftfahrzeuge könnten zur Lösung der Hauptprobleme im Straßenverkehr beitragen, nämlich Sicherheit, Verkehrsüberlastung und Energieverbrauch, erklärte die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige Kommissarin Viviane Reding: "Aber von den Bürgern und Entscheidungsträgern kann nicht erwartet werden, dass sie in eine Sicherheitstechnologie für Kraftfahrzeuge investieren beziehungsweise diese fördern, wenn deren Nutzen nicht klar ist." Industrie und Politik rief Reding zu verstärkten Anstrengungen auf, dass intelligente Informations- und Kommunikationstechnologien zu einem festen Bestandteil der in Europa hergestellten Fahrzeuge werden. Den Nutzen so genannter eSAfety-Technologien will die Kommission auf einer eigenen eSAfety-Website erklären. (ssu)